Gallenblasenkrebs und Gallengangskrebs (Biliäres Karzinom)

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Brigitte Reinhart
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Dr. rer. nat. Brigitte Reinhart
Gallenblasenkrebs und Gallengangskrebs – in der Medizin auch als biliäres Karzinom, kurz BTC, bezeichnet – sind seltene Krebserkrankungen, die ihren Ursprung in der Gallenblase oder in den Gallengängen haben. Hier erfahren Sie unter anderem, welche Symptome auf ein biliäres Karzinom hinweisen können, wie die Diagnose gestellt wird, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt – und wie Sie Ihr Erkrankungsrisiko senken können.
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Biliäres Karzinom – was ist das?

Biliäres Karzinom steht für Gallenblasenkrebs und Gallengangskrebs. Das sind Erkrankungen, die ihren Ursprung in den Zellen der Gallenblase oder der Gallengänge haben. Sie entstehen, wenn ursprünglich gesunde Zellen unkontrolliert wachsen. Diese können zu Krebszellen werden und gesundes Gewebe verdrängen und zerstören. Im medizinischen Sprachgebrauch wird Krebs häufig auch als Tumor bezeichnet.

Breiten sich die Krebszellen von der Gallenblase oder den Gallengängen über die Lymph- und Blutbahnen in andere Körperbereiche aus, spricht man von metastasiertem Krebs.

Der Begriff biliär bedeutet «die Galle oder die Gallenwege betreffend». Die Abkürzung für biliäres Karzinom lautet BTC.

Aufgaben der Gallenblase und der Gallengänge

Die Gallenblase ist ein kleines, birnenförmiges Organ im rechten Bauchraum. In ihr wird die von der Leber produzierte Gallenflüssigkeit (Gallensaft) gespeichert, eingedickt und an den Darm abgegeben. Gallensaft hilft dem Körper, Fette zu verdauen und bestimmte Abfallstoffe auszuscheiden.

In der Leber verlaufen zahlreiche kleine Gallengänge, die sich zu zwei grösseren Hauptgängen – dem rechten und dem linken Gallengang – vereinigen. Durch diese Gallengänge wird die Gallenflüssigkeit transportiert. Die beiden Hauptgänge verbinden sich ausserhalb der Leber zu einem gemeinsamen Gallengang, der in den Dünndarm führt.

Bei einem biliären Karzinom kann der Gallenfluss gestört sein, weil ein Tumor die Gallengänge verengt oder blockiert.

Illustration von Leber, Gallenblase und benachbarten Organe

Illustration: Leber, Gallenblase und benachbarten Organe

Wie häufig ist das biliäre Karzinom?

In der Schweiz erkranken jedes Jahr rund 430 Menschen an einem biliären Karzinom. Männer und Frauen sind nahezu gleich häufig betroffen. Das Risiko steigt mit dem Alter, insbesondere ab 70 Jahren.

Symptome

Gallenblasen- und Gallengangskrebs verursachen oft über lange Zeit keine eindeutigen Beschwerden. In vielen Fällen zeigen sich erst Symptome, wenn der Tumor eine gewisse Grösse hat und verhindert, dass die Gallenflüssigkeit abfliessen kann.

Zu den möglichen Symptomen zählen:

  • Gelbsucht (Ikterus)
  • Bauchschmerzen, meist im rechten Oberbauch
  • Juckreiz
  • Heller oder fettiger Stuhl
  • Dunkler Urin
  • Übelkeit und/oder Erbrechen
  • Tastbare Schwellung oder Knoten im rechten Oberbauch 
  • Gelegentlich: Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Fieber

Wichtig: Gallenblasen- und Gallengangskrebs kommen sehr selten vor. Die genannten Symptome können auch bei anderen Erkrankungen auftreten. Lassen Sie Beschwerden in jedem Fall ärztlich kontrollieren.

Note

Je früher Gallenblasen- und Gallengangskrebs diagnostiziert werden, desto grösser sind die Heilungschancen.

Diagnose

Zur Diagnose eines biliären Karzinoms stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung.

Dazu zählen:

  • Anamnese und körperliche Untersuchung
  • Bluttests zur Überprüfung der Leber- und Gallenblasenfunktion oder zum Nachweis von Tumormarkern.
  • Ultraschall zur ersten Beurteilung
  • Computertomografie (CT) zur genauen Darstellung von Lage und Ausdehnung 
  • Magnetresonanztomografie (MRT) zur detaillierten Gewebeabbildung
  • Cholangiografie / Cholangioskopie zur Darstellung der Gallengänge und Entnahme von Gewebeproben
  • Angiografie zur Beurteilung der Blutgefässe und Operabilität
  • Laparoskopie zur direkten Betrachtung und Gewebeentnahme
  • Biopsie zur histologischen Bestätigung der Diagnose

Behandlung von Gallenblasen- und Gallengangskrebs (BTC)

Welche Behandlung geeignet ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, die sorgfältig abgewogen werden. Dazu zählen u.a. der allgemeine Gesundheitszustand sowie die Lage, Grösse und Ausbreitung des Tumors.

Zu den möglichen Therapieoptionen zählen:

  • Operation, wenn der Tumor entfernt werden kann
  • Gallengangdrainage, um den Gallenfluss wiederherzustellen
  • Chemotherapie
  • Zielgerichtete Therapie
  • Immuntherapie
  • Strahlentherapie
  • Palliativtherapie zur Linderung der Beschwerden

Häufig werden mehrere Therapien kombiniert oder nacheinander angewendet.

Wichtigste Risikofaktoren

Es gibt verschiedene Faktoren, die das Risiko für ein biliäres Karzinom erhöhen können. Dazu zählen:

Wichtig: Das Vorliegen eines oder mehrerer Risikofaktoren bedeutet nicht, dass Sie zwangsläufig an Gallenblasen- oder Gallengangskrebs erkranken. Achten Sie jedoch auf Veränderungen in Ihrem Körper, und lassen Sie diese kontrollieren, wenn Sie etwas bemerken.

Früherkennung

Für Gallenblasen- und Gallengangskrebs gibt es derzeit keine etablierten Methoden zur Früherkennung.

Prävention

Es gibt einige präventive Massnahmen, die dazu beitragen können, das Erkrankungsrisiko zu senken. Dazu zählen:

  • Regelmässige Bewegung
  • Gesundes Körpergewicht erreichen und halten
  • Ausgewogene Ernährung
  • Vermeidung von Tabak und Alkohol.
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Brigitte Reinhart
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Dr. rer. nat. Brigitte Reinhart
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<p>Medical Services Manager, MSD Schweiz</p>

<p>Brigitte Reinhart ist ausgebildete Molekularbiologin und Gentechnologin. Sie ist sehr erfahren in angewandter medizinischer Forschung und arbeitet seit mehr als 15 Jahren in medizinischen Abteilungen grosser pharmazeutischer Unternehmen. Als Medical Services Manager von MSD stellt sie die Qualität und Richtigkeit der hier veröffentlichten Inhalte sicher.</p>