Gesund ernähren mit Rheuma

Vollwertkost, Vegetarisch, Vegan, Glutenfrei, Hypoallergen – gibt es eine Rheumadiät?

Die verwirrende Vielzahl unterschiedlicher Diätformen erfordert zunächst Klarheit über die verschiedenen Begriffe.

Als Vollwertkost wird eine überwiegend pflanzliche Ernährungsweise bezeichnet, die von der Annahme ausgeht, dass ein Lebensmittel umso wertvoller sei, je geringer es verarbeitet ist. So gilt rohes Gemüse als wertvoller im Vergleich zu gekochtem Gemüse. Die Ernährungsform ist überwiegend pflanzlich, geringe Mengen an Milchprodukten und Fleisch sind jedoch erlaubt.

Als Vegetarismus wird eine Ernährung bezeichnet, die auf Fleisch und Fleischprodukte, wie Wurst oder Schinken, sowie auf Fisch verzichtet. Häufig wird jedoch der Genuss von Eiern und Milch, sowie Milchprodukten einbezogen (Ovo-Lacto-Vegetarismus).

Diese rein pflanzliche Ernährung verzichtet grundsätzlich auf alle Lebensmittel, die irgendeinen tierischen Bestandteil enthalten. Das bedeutet, dass Veganer weder Eier noch Milch, aber auch keinen Honig zu sich nehmen. Ebenso werden Produkte abgelehnt, die Gelatine enthalten. Diese Ernährungsform macht die Zufuhr von Vitamin B12 notwendig, da dieses Vitamin ausschliesslich in tierischen Produkten enthalten ist. Ausserdem muss auf eine ausgewogene Eiweisszufuhr geachtet werden, um keinen Mangel an bestimmten Aminosäuren entstehen zu lassen.

Glutenfreie Kost schliesst alle Getreideprodukte aus, die Gluten, das sogenannte „Klebereiweiss“ enthalten. Dazu gehören vor allem Weizen, Roggen und Gerste. Diese Kostform ist lebenswichtig für Patienten mit einer Zöliakie, also einer angeborenen oder erworbenen Überempfindlichkeit gegen Gluten.

Hypoallergene Diätformen verzichten auf bestimmte Nahrungsmittelbestandteile, die Allergien auslösen. Oft wird vor Beginn einer solchen Diät ein Test auf Nahrungsmittelallergene durchgeführt. Die entsprechenden Allergene werden dann vom Speiseplan ferngehalten.

Ist eine der oben genannten Diätformen als Rheumadiät geeignet?

Wissenschaftliche Untersuchungen mit Rheumapatienten gibt es zu den meisten der oben genannten Kostformen. Allerdings hat keine Studie überzeugend nachweisen können, dass eine bestimmte Ernährung über längere Zeit und nachhaltig den Krankheitsverlauf beeinflussen kann. Darüber hinaus stellt eine radikale Umstellung der Ernährung oft einen grossen Eingriff in die Lebensqualität der Betroffenen dar.

Daher gilt es bei der Beratung von Rheumapatienten immer, Extreme zu vermeiden. Statt einer bestimmten „Rheumadiät“ zu vertrauen, sei die Betonung auf eine ausgewogene Ernährung gelegt. Der optimale Teller der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung zeigt einerseits die Lebensmittel, aus denen sich eine vollständige Mahlzeit zusammensetzt, andererseits stellt er das Verhältnis dar, in dem jedes dieser Lebensmittel auf den Teller kommen sollte, damit die Mahlzeit ausgewogen ist.

Mehr Informationen zum optimalen Teller finden sie auf der Website der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung.

 

Rheumapatienten fragen sich oft, ob ihre Erkrankung durch Nahrungsmittel verschlimmert oder unterhalten wird. Wissenschaftliche Untersuchungen, mögliche Arthritis-verstärkende Nahrungsmittel durch allmählichen Kostaufbau zu finden, haben jedoch keine schlüssigen Ergebnisse erbracht. Wenngleich ein Teil der Patienten berichtet, nach Aufnahme bestimmter Speisen und Getränke mehr Gelenkschmerzen und –schwellungen zu haben. Dabei werden jedoch ganz verschiedene Lebensmittel genannt: häufig Fleisch, aber auch Süsswaren, Wein, Zitrusfrüchte oder Kaffee.

Zudem gibt es in der Tat Fälle von Lebensmittelallergien, (z.B. auf Kuhmilch), die mit Gelenkschmerzen einhergehen. Das ist jedoch nur sehr selten der Fall. Dennoch gilt: Beobachten Sie eine Zunahme Ihrer Gelenkschmerzen unter einer bestimmten Kost, sollte dies ernst genommen und die entsprechenden Lebensmittel gemieden werden.

Die Mittelmeerkost kann der Entstehung von Diabetes und Übergewicht vorbeugen und bei Patienten mit einer rheumatoiden Arthritis (RA) ein Nachlassen von Gelenkschwellungen und Gelenkschmerzen begünstigen. Dieser Effekt entspricht zwar in seinem Ausmass nicht dem einer gut eingestellten medikamentösen Behandlung, kann aber die Wirksamkeit von Arzneimitteln sinnvoll ergänzen.

Ausserdem ist mittlerweile bekannt, dass Patienten mit RA ein deutlich erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. Daher sollte ein Rheumatiker besonders sorgfältig auf ein ausgewogenes Verhältnis der zugeführten Nahrungsfette achten – und dafür ist die mediterrane Ernährungsform ein geeignetes Instrument.

Bei der Mittelmeerkost liegt die Betonung besonders auf pflanzlichen Speisen: Viel Gemüse in zahlreichen Zubereitungsformen, dazu Getreideprodukte wie Pasta aus Hartweizengriess, ohne Beimischung von Eiern. Hauptlieferant von Fettsäuren sind Olivenöl und andere pflanzliche Öle. Dafür wird die Zufuhr von rotem Fleisch deutlich reduziert, zugunsten von Fisch und Meeresfrüchten. Reiner Zucker wird durch Früchte ersetzt, Milchprodukte in mageren Zubereitungsformen genossen: Joghurt, Käse, Quark.

Dazu kommt die verdauungsfördernde Wirkung reichlich verwendeter Gewürze und der massvolle Genuss von (Rot-)wein direkt zu den Mahlzeiten. Rheumatiker haben von dieser Art der Ernährung somit einen mehrfachen Nutzen. Dazu kommt, dass diese Küche ausgesprochen schmackhaft und abwechslungsreich ist. Der Freude an einem guten Essen steht somit nichts im Wege.

In Reformhäusern, Drogerien und in Zeitschriften werden häufig pflanzliche oder mineralische Präparate, Vitaminmischungen oder Spurenelemente angeboten, denen die Werbung gesundheitsfördernde Kräfte zuschreibt. Wissenschaftliche Beweise für diese Eigenschaften fehlen oft oder halten einer gründlichen Prüfung nicht stand. Allgemeine Aussagen wie „Stärkung der Abwehr“, „Entschlackung“ oder „Gelenkschutz“ verschleiern oft, dass ein messbarer, positiver Effekt der angebotenen Stoffe fehlt. Zudem sind viele dieser Mittel ausgesprochen teuer. Fordern Sie gegebenenfalls schriftliche Informationen zu Inhaltsstoffen und wissenschaftliche Untersuchungen zu Ihrer Erkrankung bei den Herstellern an. Fragen Sie sich zuvor, was Sie konkret mit Nahrungsergänzungsmitteln bewirken möchten und prüfen Sie anschliessend, ob das gewünschte Ziel damit erreicht wurde.

Bitte wenden Sie sich stets an Ihren behandelnden Arzt, bevor Sie Produkte dieser Art anwenden.

Für Rheumatiker ist die Wirkung von Fischölkapseln bzw. den darin enthaltenen Omega-3- Fettsäuren auf die Krankheitsaktivität intensiv untersucht worden. Diese können zu einer Schmerzlinderung, einer Abnahme der Morgensteifigkeit und des Schmerzmittelverbrauchs führen. Allerdings sollten diese Kapseln nicht unkritisch und schon gar nicht als Ersatz für die vom Rheumatologen verschriebenen Medikamente verwendet werden. Der Gehalt an ungesättigten Fettsäuren kann ausserdem je nach Anbieter stark schwanken, und das teuerste Präparat muss noch lange nicht das Beste sein.

Sinnvoller als die Einnahme von Fischölkapseln ist sicher die bewusste Ernährung an sich: Weg von übermässigem Fleischkonsum, hin zu einer Kostform, die der sogenannten Mittelmeerkost entspricht.

Gutes Werkzeug erleichtert die Arbeit – das gilt auch in der Küche. Achten Sie auf Geräte mit einer möglichst einfachen, kraftsparenden Handhabung. Zum Beispiel: Elektrische Rührgeräte, Zerkleinerer und Mixer.

Mit speziellen Greifhilfen kommen Sie bequem auch an Gegenstände in den oberen Regalfächern, ohne sich strecken zu müssen oder auf Stühle oder Leitern zu klettern.

Lassen Sie knifflige Arbeiten automatisch erledigen: Beispielsweise mit einem elektrischen Dosenöffner.

Kleine Helfer mit gelgefüllten Griffen haben den Vorteil, dass man sie leichter greifen kann und weniger Kraft aufwenden muss, um sie zu verwenden. Nutzen Sie Töpfe und Pfannen mit Griffen, die Ihre Handgelenke entlasten und somit mehr Sicherheit bieten. Auch beim Besteck sollten Sie auf gute Greifbarkeit achten.

Mehr Informationen zum Thema Rheuma und Ernährung finden Sie bei den jeweiligen Patientenorganisationen.

CH-NON-00037; 09/2019

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