Behandlung der Psoriasis-Arthritis

Aktualisiert am
18. Februar 2021
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Daniel Koch
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Daniel Koch
Psoriasis-Arthritis ist nicht heilbar. Dank moderner Medikamente kann jedoch bei den meisten Patienten eine Unterdrückung der Symptome erreicht und eine Gelenkzerstörung verhindert werden. Hier erfahren Sie mehr über die Therapieziele, die Behandlungsmöglichkeiten und begleitende Therapieformen.
Stethoskop auf Schreibtisch des Arztes

Therapieziele bei Psoriasis-Arthritis

Die Behandlung der Psoriasis wird individuell auf das Krankheitsbild des Patienten abgestimmt und richtet sich nach den entsprechenden Behandlungszielen.

Mögliche Behandlungsziele sind:

  • Linderung der Schmerzen
  • Linderung der Symptome an Haut und Nägeln
  • Erhaltung der Beweglichkeit betroffener Gelenke
  • Verlangsamung bzw. Rückgang der entzündlichen Krankheitsprozesse
  • Verhinderung struktureller Schädigungen der Gelenke
  • Erhaltung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit

Die Psoriasis-Arthritis verläuft sehr unterschiedlich. Deshalb muss die Therapie fortlaufend kontrolliert und bei Bedarf angepasst werden. Dabei stehen dem Rheumatologen und dem Dermatologen mehrere Therapieoptionen zur Verfügung.

Medikamente bei Psoriasis-Arthritis

Dank moderner Medikamente ist es heute möglich, den Krankheitsverlauf zu beeinflussen und die Beschwerden zu lindern. Grundsätzlich gilt: Je früher die Behandlung beginnt, desto grösser die Chance, Entzündungsvorgänge in den Gelenken zu beeinflussen und schweren Schäden vorzubeugen. Die Therapie richtet sich nach dem Schweregrad und dem bisherigen Verlauf der Erkrankung.

Folgende Medikamente stehen zur Verfügung:

NSAR

NSAR sind entzündungs- und schmerzhemmende Medikamente. Sie führen zu einer schnellen Linderung der Schmerzen und vermindern die Gelenksteife, sie haben jedoch keinen Einfluss auf den weiteren Krankheitsverlauf (symptomatische Therapie).

DMARDS

DMARDS sind der Grundpfeiler in der Behandlung der Psoriasis-Arthritis. Sie unterdrücken das überaktive Immunsystem und wirken den Entzündungsprozessen entgegen. Dadurch können Schmerzen gelindert und die Zerstörung der Gelenke verhindert werden. Die Hautsymptome bessern sich.

Diese Medikamente müssen über einen längeren Zeitraum eingenommen werden und brauchen meist mehrere Wochen, bis sie vollständig wirken. Einige Patienten sind durch den Einsatz der Basistherapeutika über einen sehr langen Zeitraum nahezu beschwerdefrei und haben trotz der Erkrankung eine hohe Lebensqualität.

bDMARDS

bDMARDS sind biotechnisch hergestellte Abwehrstoffe (Antikörper), die speziell gegen bestimmte Entzündungsbotenstoffe gerichtet sind oder bestimmte Rezeptoren und Immunzellen hemmen.

Biologika werden bei Patienten mit Psoriasis-Arthritis eingesetzt, wenn Basistherapeutika bei ihnen nicht wirksam waren. Biologika wirken rasch. Sie werden in regelmässigen Abständen gespritzt oder als Infusion verabreicht. Biologika werden von den meisten Patienten gut vertragen, chronische lnfektionen (insbesondere eine Tuberkulose) und aktive Krebserkrankungen sollten vor Beginn der Behandlung aber ausgeschlossen werden.

  • TNFα-Blocker

Zu den Biologika zählen auch sogenannte TNFα-Blocker. Das sind Antikörper, die spezifisch einen der entzündungsfördernden Botenstoffe, den Tumornekrosefaktor-α  (TNFα), binden und somit ausschalten. TNFα-Blocker können die entzündlichen Prozesse der betroffenen Hautstellen und der Gelenke stoppen.

Kortison

Kortisonpräparate wirken rasch und sind stark entzündungshemmend. In Akutfällen können Kortikoide vom Arzt direkt in den Gelenkspalt gespritzt werden, um die entzündlich veränderte Gelenkinnenhaut lokal zu behandeln. Aufgrund möglicher Nebenwirkungen wird von einem langfristigen Einsatz von Kortikoiden jedoch abgeraten.

Note

Wichtig – Erfolgsfaktor Therapietreue

Die Therapietreue ist ein entscheidender Faktor für den Verlauf der Psoriasis-Arthritis. Die Medikamente müssen auch bei einer Besserung der Beschwerden nach den Empfehlungen des behandelnden Arztes eingenommen werden. Eine abgebrochene Therapie kann zu erneuten Krankheitsschüben und einer Verschlechterung des Krankheitsbildes führen. Wenn Sie unsicher sind, sprechen Sie mit Ihrem Arzt.

Begleitende Therapien bei Psoriasis-Arthritis

Als Ergänzung zu den verschiedenen Medikamenten stehen Arzt und Patient ergänzende Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Sie sollen Betroffenen das Leben mit der Krankheit erleichtern und zum Therapieerfolg beitragen.  

Dazu zählen:

Regelmässiges Funktionstraining

Eine wichtige Säule in der Therapie der Gelenkbeschwerden bei Psoriasis-Arthritis ist regelmässige Bewegung. Dabei geht es darum, die Gelenkfunktion zu erhalten und dadurch die Beweglichkeit und die Stabilisierung der Gelenke zu verbessern. Um Verschlechterungen der Gelenkfunktion zu verhindern, kann das Training auch als vorbeugende Massnahme angesehen werden. Die Wahl und die Intensität der Aktivität sollten mit dem behandelnden Arzt besprochen sowie entsprechende Funktionsübungen unter fachgerechter Anleitung erlernt werden.

Ergotherapie

Ziel der Ergotherapie ist das Erlernen gelenkschonender Bewegungsabläufe, um Schmerzen zu lindern und nicht betroffene Gelenke durch Ausweichbewegungen nicht zu sehr zu strapazieren. Die Beratung über Hilfsmittel im Alltag und das Üben der richtigen Anwendung sind Bestandteil dieser Therapieform.

Wertvolle Unterstützung bieten beispielsweise:

  • spezielle Flaschen- und Dosenöffner
  • Griffverdickungen für Besteck
  • Verlängerungsgriffe für Schuhlöffel bzw. Kamm.

Der richtige Gebrauch der Hilfsmittel wird mit den Betroffenen trainiert. Auch für die Ergotherapie gilt, dass ein positiver Effekt nur erzielt werden kann, wenn sie konsequent und regelmässig durchgeführt wird.

Physikalische Therapie

Ziele der physikalischen Therapie sind unter anderem die Linderung der Schmerzen und die Verbesserung der Hautbeschwerden. Zu dieser Therapieform zählen:

  • Kälteanwendungen, z. B. Eispackungen
  • Wärmeanwendungen, (z. B. Fango-, Moorpackungen, Infrarotlicht
  • Balneotherapie, z. B. Thermal- oder Solebäder
  • Massagen
  • Elektrotherapie
  • Phototherapie.
Psychische Krankheitsbewältigung

Auch die psychologische Beratung stellt eine wertvolle Ergänzung dar. Sie kann dazu beitragen, die chronische Erkrankung Psoriasis-Arthritis mit all ihren Facetten zu akzeptieren. Schmerzbewältigungsprogramme können zudem helfen, den Alltag besser zu meistern.

Chirurgie

Kann die chronische Entzündung mit Medikamenten nicht gestoppt werden, besteht als weitere Option die Möglichkeit einer Operation zur Korrektur der Gelenkfehlstellung oder der Einsatz eines künstlichen Gelenks (Prothese).

Note

Psoriasis-Arthritis ist nicht heilbar. Sie lässt sich aber im Verlauf entscheidend beeinflussen. 

Wird die Erkrankung rechtzeitig diagnostiziert und konsequent und unter aktiver Mithilfe der Betroffenen behandelt, können Spätschäden an Gelenken verzögert oder sogar verhindert werden.

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Senior Specialist Medical Affairs, MSD Schweiz

Daniel Koch ist seit über 35 Jahren in verschiedenen Positionen in der Pharmabranche tätig, davon seit 30 Jahren bei MSD. Seit 2011 arbeitet er als Senior Specialist Medical Affairs im Bereich der Immunologie mit den dazugehörigen chronisch entzündlichen Erkrankungen axiale Spondyloarthritis, rheumatoide Arthritis und Psoriasis-Arthritis.