Tipps für den Alltag mit Morbus Crohn

Aktualisiert am
22. März 2021
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Daniel Koch
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Daniel Koch
Die Diagnose «Morbus Crohn» ist bei den Betroffenen mit Ängsten und Unsicherheiten verbunden. Sie bedeutet von nun an das Leben mit einer chronisch entzündlichen Erkrankung. Es gibt verschiedene Hilfestellungen und Tipps, die Betroffene dabei unterstützen sollen und ihnen zeigen: Sie sind mit ihrem Schicksal nicht allein! Hier erfahren Sie mehr.
Zwei Frauen und ein Mann schauen vom Gipfel eines Berges aus in die Ferne

Informieren Sie sich über Ihre Erkrankung

Ärzte und Therapeuten sind davon überzeugt, dass es Ihnen hilft, wenn Sie über Ihre Erkrankung und Ihre Therapie gut informiert sind. Nehmen Sie sich Zeit, Ihre Krankheit zu verstehen und sich mit den krankheitsbedingten Einschränkungen auseinander zu setzen. Es wird Ihnen helfen, Ihre Situation zu akzeptieren und bestmöglich mit ihr umzugehen.

Vielleicht würde Ihnen auch der Austausch mit anderen Betroffenen gut tun. Am Ende dieser Seite finden Sie die Koordinaten der Patientenorganisation Crohn Colitis Schweiz. Sie bietet neben vielen Informationen rund um das Leben mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung auch den Kontakt zu Betroffenen.

Vermeiden Sie Stress

Haben Sie beobachtet, dass sich Ihre Symptome in Stresssituationen verschlimmern? Vermutlich liegt das daran, dass Stress den Körper vielfältig beeinflusst und die Widerstandsfähigkeit gegen Entzündungen schwächen kann. Suchen Sie nach einem Weg, innere Anspannung zu vermeiden. Vielleicht helfen Ihnen autogenes Training, Meditation, eine Massage oder beruhigende Musik zu innerer Ruhe. Finden Sie Ihre persönliche Entspannungsquelle und nehmen Sie sich Zeit dafür.

Verfolgen Sie Ihren Ausbildungs- und Berufsweg

Es gibt keine Berufe, die für Morbus Crohn-Patienten von vornherein ausgeschlossen sind. Verfolgen Sie Ihr Ziel und prüfen Sie für sich, ob es Ihnen auch mit der Krankheit möglich ist, die gewünschten Tätigkeiten auszuüben. Wenn Sie Zweifel haben, sprechen Sie mit Ihrem Arzt, Ihrer Familie oder Bekannten. Es gibt immer einen Weg und jemanden, der hilft. Vielleicht würde Ihnen auch eine berufliche Veränderung gefallen. Beschäftigen Sie sich mit einer möglichen Neuorientierung und entdecken Sie mögliche Perspektiven.

Besprechen Sie Verhütung und Familienplanung mit Ihrem Arzt

Häufige Durchfälle können die Wirksamkeit oraler Verhütungsmittel wie die Pille beeinträchtigen. Fragen Sie Ihren Arzt nach möglichen Alternativen, die eine Empfängnisverhütung auch in aktiven Krankheitsphasen gewährleisten.

Morbus Crohn schliesst einen Kinderwunsch nicht aus! Besprechen Sie eine geplante Schwangerschaft mit Ihrem Arzt. Allerdings gibt auch eine überraschende Schwangerschaft keinen Anlass zur Sorge. Wichtig ist einfach, dass Ihre Therapie darauf abgestimmt wird.  

Nehmen Sie psychologische Unterstützung in Anspruch

Scheuen Sie sich nicht vor einer begleitenden Psychotherapie. Sie kann Ihnen helfen, Ihre Erkrankung besser zu verstehen und Ängste und Konflikte abzubauen.  

Finden Sie die für Sie richtige Ernährungsform

Es gibt keine wissenschaftlich fundierte Diät, die bei Morbus Crohn empfohlen wird. Erlaubt ist, was schmeckt, gesund ist und vertragen wird. Während eines Krankheitsschubs ist es wichtig, dass Sie den erhöhtem Flüssigkeitsverlust durch die andauernden Durchfälle ausgleichen und genug trinken.

Bereiten Sie Ausflüge und Reisen sorgfältig vor

Natürlich können Sie mit Morbus Crohn auch auf Reisen gehen. Allerdings sollten Sie sorgfältig planen und Besonderheiten im Voraus mit Ihrem Arzt besprechen.

Denken Sie an Folgendes: 

Informieren Sie sich über die Möglichkeiten an Ihrem Reiseziel

Gibt es öffentliche Verkehrsmittel, ein Stadtzentrum, Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte, Spezialisten, Apotheken? Recherchieren Sie und planen Sie entsprechend.

Prüfen Sie Ihren Impfstatus

Wenn Sie ins Ausland möchten, ist es je nach Reisegebiet und Reisezeit wichtig zu klären, welche Impfungen sinnvoll sind. Durch Ihre Erkrankung und die Medikamente ist Ihr Immunsystem geschwächt. Sie sind einem höheren Risiko ausgesetzt, an einer Infektion zu erkranken.

Falls Sie Urlaub in der Schweiz planen, empfiehlt sich die Zeckenimpfung. Denken Sie daran, Ihren Impfpass zum nächsten Termin mitzunehmen.

Beachten Sie die geltenden Hygiene- und Schutzmassnahmen

Informieren Sie sich über die Situation an Ihrem Reiseziel und tragen Sie, falls empfohlen, eine Mundschutzmaske.

Vervollständigen Sie Ihre Reiseapotheke

Nehmen Sie ausreichend Medikamente mit, die sie regelmässig oder im Notfall einnehmen.

Falls Sie Biologika benötigen, planen Sie den Transport in einer Kühlbox oder mit mobilen Kühlgeräten. Informieren Sie sich schon vor der Abreise, ob die empfohlene Lagerung Ihrer Medikamente am Reiseziel möglich ist. Bitte beachten Sie auch, dass Sie bei Reisen ins Ausland für bestimmte Medikamente (u.a. starke Schmerzmittel) eine amtliche, ärztliche Bescheinigung benötigen.

Zusätzliche sollte Ihre Reiseapotheke folgendes enthalten:

  • Desinfektionsmittel
  • Verbandsmaterial
  • Mundschutzmasken
  • Heilsalbe
  • Fieberthermometer
  • Medikamente gegen Durchfall und Erbrechen
  • Kopfschmerztabletten
  • Salbe gegen Insektenstiche und Sonnenbrand
  • Sonnencreme mit möglichst hohem Lichtschutzfaktor

Bewegen Sie sich und treiben Sie Sport

Sport macht Spass, hält fit und ist gesund – das gilt auch für Patienten mit Morbus Crohn. Selbst eine mässige, an die Erkrankung angepasste Bewegung setzt in Ihrem Körper Endorphine frei und baut so Stress ab. Sport ist eine wunderbare Möglichkeit, Ihr körperliches und seelisches Wohlbefinden zu verbessern. Auf welchem Niveau Sie sich auch bewegen: Achten Sie auf die Signale Ihres Körpers. Er zeigt Ihnen sehr genau, ob Sie das richtige Mass gefunden haben.

Denken Sie an die regelmässige Krebsvorsorge und -früherkennung

Patienten mit Morbus Crohn haben ein erhöhtes Risiko, an Darmkrebs zu erkranken. Denken Sie an regelmässige Untersuchungen zur Vorsorge.

Sprechen Sie regelmässig mit Ihrem behandelnden Arzt

Es ist wichtig, dass Sie in regelmässigen Abständen zu Ihrem Gastroenterologen gehen. Nicht nur zur Diagnosefindung und bei akuten Schüben. Das ermöglicht Ihrem Arzt, den Verlauf Ihrer Erkrankung zu beurteilen, bei Bedarf die Therapie anzupassen und gegebenenfalls weitere Experten hinzuziehen, z.B. Augenarzt, Hautarzt, Chirurg. 

Profitieren Sie vom Erfahrungsaustausch

Gespräche mit Menschen, die ebenfalls an einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung leiden, können helfen, motivieren und einer gesellschaftlichen Isolation vorbeugen. Menschen, die Ihr Schicksal teilen, verstehen Sie genau. Die Patientenorganisation Crohn Colitis Schweiz ist wie eine Familie. Die Mitglieder verbinden ähnliche Geschichten und Schicksale. Sie helfen sich gegenseitig und teilen ihre Sorgen.

Hier finden Sie Informationen zur Selbsthilfegruppe in der Schweiz:

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Senior Specialist Medical Affairs, MSD Schweiz

Daniel Koch ist seit über 35 Jahren in verschiedenen Positionen in der Pharmabranche tätig, davon seit 30 Jahren bei MSD. Seit 2011 arbeitet er als Senior Specialist Medical Affairs im Bereich der Immunologie mit den dazugehörigen chronisch entzündlichen Erkrankungen axiale Spondyloarthritis, rheumatoide Arthritis und Psoriasis-Arthritis.