Schwangerschaft und chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED)

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa werden als chronisch entzündliche Darmerkrankungen bezeichnet. Sie sind trotz aller medizinischen Fortschritte nach wie vor nicht heilbar und verlaufen meist chronisch, wobei das Krankheitsbild von Patient zu Patient sehr unterschiedlich sein kann. Bei den meisten Betroffenen manifestiert sich die Erkrankung zwischen dem 20. und dem 40. Lebensjahr und somit in einem Lebensabschnitt, in dem Familienplanung, Kinderwunsch und Fragen rund um das Thema einer Schwangerschaft eine zentrale Rolle einnehmen.

Um eine bestmögliche Betreuung sicherzustellen, ist vor, während und nach der Schwangerschaft eine enge Zusammenarbeit zwischen der Patientin und den betreuenden Gastroenterologen, Frauen­- und Kinderärzten erforderlich.
 

Kinderwunsch: kann bzw. darf ich überhaupt schwanger werden?

Gleich vorweg: Eine CED schliesst den Kinderwunsch nicht aus. Jede vierte CED-Patientin wird schwanger, bevor die Diagnose CED gestellt wird, und auch viele Männer mit CED werden Vater.

Grundsätzlich beeinträchtigt eine CED die Fruchtbarkeit nicht, weder die des Mannes noch die der Frau. Bei Morbus Crohn kann die Fruchtbarkeit als Folge der aktiven Entzündung oder des beeinträchtigten Ernährungszustandes allerdings leicht verringert sein. Bei Colitis ulcerosa wiederum können bestimmte Darmoperationen, wie die Anlage eines Pouches («IPAA») die Fruchtbarkeit ungünstig beeinflussen. Das gilt übrigens auch für Männer: Nach bestimmten Darmoperationen kann es zu erektiler Dysfunktion und/oder Ejakulationsproblemen kommen.

Ein ganz wesentlicher Punkt, um auf natürliche Weise schwanger zu werden, ist die Einstellung zur Sexualität. Denn viele CED-Patienten schränken aufgrund von Schmerzen, Durchfällen, Fisteln oder wegen eines Stomas ihr Sexualleben ein. Psychische Faktoren, wie Depression, verminderte Lebensqualität oder die Sorge wegen häufiger Krankenstände oder Arbeitslosigkeit können Partnerschaft und Liebesleben belasten. Alles Gründe, warum Patienten mit CED im Schnitt häufiger kinderlos sind als gesunde Personen.

Aus ärztlicher Sicht gibt es keinen Grund, Frauen mit MC oder CU von einer Schwangerschaft abzuraten. Allerdings sollte diese sorgfältig geplant werden.
 

lnformieren Sie lhren behandelnden Arzt rechtzeitig, wenn Sie einen Kinderwunsch haben!

ldealerweise sollten vor einer Schwangerschaft aktuelle Befunde erhoben werden, wie zum Beispiel das Befallsmuster der Erkrankung, die Krankheitsaktivität sowie der Ernährungsstatus, insbesondere hinsichtlich Vitaminen und Eisenstatus.

Darüber hinaus sollten auch bei CED-Patientinnen - wie bei jeder Frau, die schwanger werden möchte - vorab allgemeine Risikofaktoren, die eine Schwangerschaft ungünstig beeinflussen können, erhoben und gegebenenfalls behandelt werden. Dazu zählen Begleiterkrankungen wie Diabetes oder Schilddrüsenleiden. Auch das mütterliche Alter und Behandlungsmöglichkeiten bei Substanzmissbrauch (zum Beispiel Alkohol oder Nikotin) sollten bei Kinderwunsch bedacht werden, um eine vorausschauende Planung zum Wohle von Mutter und Kind zu ermöglichen.

Häufige Fragen und Antworten bei CED und Kinderwunsch:

Es ist nicht auszuschliessen, dass Sie die Veranlagung, an CED zu erkranken, an Ihr Kind weitergeben können, da eine bestehende CED in der Familie einen gesicherten Risikofaktor darstellt - bei Morbus Crohn ausgeprägter als bei Colitis ulcerosa. Allerdings ist die genetische Veranlagung nur ein «Puzzleteil» innerhalb einer Reihe weiterer Faktoren, die zur Entstehung einer CED beitragen können, sodass das Risiko für den Nachwuchs nur ungefähr abgeschätzt werden kann.

Es gibt etliche Studien und Untersuchungen zu diesem Thema, aus denen hervorgeht, dass das Risiko für die Entstehung einer CED bei den Nachkommen um das 2- bis 13-Fache erhöht sein kann, wenn ein Elternteil bereits an einer CED leidet. Sind beide Eltern an einer CED erkrankt, muss davon ausgegangen werden, dass jedes dritte Kind aus einer solchen Verbindung ebenfalls an einer CED erkranken wird.

Untersuchungen zufolge erleidet eine von drei Frauen während einer Schwangerschaft einen CED-Schub. Das entspricht jedoch dem Schubrisiko einer nicht schwangeren Frau, sodass aus heutiger Sicht davon ausgegangen werden kann, dass eine Schwangerschaft den weiteren Verlauf der CED wenig beeinflusst.

Frauen mit Colitis ulcerosa haben ein etwas höheres Risiko für das Auftreten eines Schubes während und nach der Schwangerschaft, als Patientinnen mit Morbus Crohn. Der beste Zeitpunkt für den Beginn einer Schwangerschaft ist die vollständige Remission, das heisst, wenn klinisch, laborchemisch und endoskopisch keine Hinweise für Entzündungsaktivität vorliegen.

Die besten Voraussetzungen für eine komplikationsfreie Schwangerschaft liegen dann vor, wenn die Erkrankung zum Zeitpunkt der Zeugung und während der Schwangerschaft inaktiv ist.

Wenn Sie zu Beginn der Schwangerschaft an einer aktiven CED leiden, ist davon auszugehen, dass die Krankheitsaktivität auch während der Schwangerschaft bestehen bleibt. Unter diesen Umständen kann das Risiko, das Kind während der Schwangerschaft zu verlieren oder eine Frühgeburt zu erleiden, erhöht sein. Insbesondere, wenn die Erkrankung einen schweren oder chronisch-aktiven Verlauf nimmt.

Im Idealfall sollten während einer Schwangerschaft keine Untersuchungen, wie Endoskopie oder eine bildgebende Untersuchung durchgeführt werden. Falls aufgrund des Krankheitsverlaufs solche Untersuchungen dennoch erforderlich erscheinen, können diese in den allermeisten Fällen mithilfe moderner bildgebender Verfahren (kein Röntgen!) heute schonend vorgenommen werden.

Ultraschalluntersuchungen werden während einer Schwangerschaft ohnehin routinemässig durchgeführt, um die Entwicklung des Kindes zu überprüfen. Falls eine Endoskopie notwendig ist, sollte diese idealerweise im mittleren Drittel der Schwangerschaft erfolgen.

Allen internationalen Expertenmeinungen zufolge soll die medikamentöse Behandlung während einer Schwangerschaft fortgesetzt und Schübe rasch und konsequent behandelt werden. Diese Empfehlungen werden auch von der ECCO (European Crohn's and Colitis Organisation) wissenschaftlich unterstützt.*

* Ouelle: ECCO Guidelines/Consensuspaper 2015 Van derWoude CJ et al. Journal of Crohn's and Colitis 2015; 1-81

Die Entscheidung, welche Form der Entbindung für CED-Patientinnen geeignet ist, muss für jede Patientin individuell von den behandelnden Ärzten getroffen werden. Die Folgen einer natürlichen Geburt für die Patientin - etwa eine drohende Schwäche des Beckenbodens oder des Schliessmuskels müssen dabei mitberücksichtigt werden, insbesondere wenn ein Dammschnitt nötig erscheint.

Patientinnen mit aktiver CED oder perinatalen Fisteln wird zumeist von einer natürlichen Geburt abgeraten. Diese Patientinnen sollten ihr Kind mittels Kaiserschnitt entbinden.

Patientinnen mit CED können ihr Kind genauso wie gesunde Mütter stillen, wenn sie das möchten. Es gibt keine Hinweise, dass Stillen den Verlauf einer CED ungünstig beeinflusst.

Allerdings gilt auch hier: Sprechen Sie mit lhrem behandelnden Arzt, welche Medikamente während der Stillzeit tabu sind, denn manche Medikamente könnten über den Blutkreislauf in die Muttermilch gelangen. Diese Vorsichtsmassnahmen in Bezug auf Medikamenteneinnahme während der Stillzeit gelten übrigens für alle Medikamente, nicht nur für solche gegen CED.

Hinweis:
Bestimmte CED-Medikamente, die Sie während einer Schwangerschaft einnehmen, können das lmmunsystem des Säuglings beeinflussen. lnformieren Sie daher unbedingt auch lhren Kinderarzt, welche Medikamente Sie während der Schwangerschaft eingenommen haben. Es kann erforderlich sein, frühe Lebendimpfungen beim Säugling zu verschieben, bis die Wirkung der Medikamente auf das kindliche lmmunsystem abgeklungen ist.

CH-NON-00031; erstellt im September 2019

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