Therapie der Colitis ulcerosa

Colitis ulcerosa ist eine chronische Erkrankung und nicht heilbar. Dank grosser medizinischer Fortschritte ist es aber heute möglich, die Krankheit gut zu kontrollieren. Hier erfahren Sie mehr über die Therapieziele, die verschiedenen medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten und die Dickdarm-Operation.

 

Aktualisiert am 21.10.2020 I 10 Minuten Lesezeit

Die Behandlung der Colitis ulcerosa hängt von den Beschwerden, der Stärke der Entzündung und der Ausbreitung der Erkrankung ab. So wird ein Patient, bei dem «nur» der Enddarm betroffen ist und der nur leichte Beschwerden hat, anders behandelt, als ein Patient, der häufig unter starken Entzündungsschüben im gesamten Darm leidet.


Therapieziele bei Colitis ulcerosa


Krankheitskontrolle

Bei diesem wesentlichen Ziel gilt es, die Entzündung möglichst früh einzudämmen und eine beschwerdefreie Phase, die sogenannte Remissionsphase, zu erreichen. 
 

Remissionserhalt

Ist eine beschwerdefreie Phase erreicht, sollte diese, so gut es geht, erhalten werden.
 

Heilung der Darmschleimhaut (Mukosaheilung)

Selbst wenn ein akuter Schub unter Kontrolle ist und eine beschwerdefreie Phase erreicht wurde, verbleiben bei vielen Patienten entzündliche Veränderungen der Darmschleimhaut. Da diese eine schlechtere Prognose im weiteren Verlauf bedeuten können, ist es wichtig, die Schleimhaut dauerhaft in einem möglichst gesunden Zustand zu erhalten.
 

Normale Lebensqualität

Viele Colitis ulcerosa-Patienten leiden insbesondere unter den psychosozialen Aspekten der Erkrankung. Ein wichtiges Ziel ist daher, mit einer effektiven und angemessenen Therapie die Lebensqualität des Patienten zu verbessern. Dazu können beispielsweise der Erhalt der Arbeitsfähigkeit und das Ermöglichen einer Ausbildung oder eines Studiums gehören. Überdies sollte die Erkrankung die Betroffenen gesellschaftlich nicht isolieren, sondern eine befriedigende Freizeitgestaltung und kulturelle Aktivitäten erlauben.


Das Therapiekonzept bei Colitis ulcerosa

Vor Beginn einer Therapie wird der Gastroenterologe mit Ihnen die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Behandlungsoptionen besprechen. Auf dieser Basis kann er gemeinsam mit Ihnen eine langfristige Strategie erarbeiten.

Therapietreue bei Colitis ulcerosa


Therapietreue ist ein entscheidender Faktor für den Verlauf der Erkrankung. So sollten die verordneten Medikamente immer anhand der Empfehlungen des Arztes angewendet werden – auch wenn sich die Symptome gebessert haben. Eine abgebrochene Therapie kann einen erneuten Krankheitsschub auslösen und zu einer Verschlechterung des Krankheitsbildes führen.

 

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie Fragen zu Ihrer Therapie haben.

Medikamente zur Behandlung der Colitis ulcerosa

Zur Behandlung der Colitis ulcerosa stehen dem Gastroenterologen Medikamente mit unterschiedlichen Wirkmechanismen zur Verfügung. Häufig benötigen Patienten eine Kombination der verschiedenen Medikamente. Obwohl einige von ihnen Nebenwirkungen haben, überwiegen die Vorteile und die Linderung der Symptome oft die Nachteile.

Hier erfahren Sie mehr über die unterschiedlichen Medikamente.


5-ASA-Präparate

5-ASA-Präparate (5-Aminosalicylsäure), dienen der Entzündungshemmung im Darm und sind die Medikamente der ersten Wahl bei Schüben mit geringer Aktivität. 5-ASA-Präparate gibt es in Form von Tabletten, Zäpfchen, Einläufen und Rektalschäumen, die je nach Lokalisation der Entzündung angewendet werden. Wurde der Schub erfolgreich behandelt, können 5-ASA-Präparate zum Erhalt der beschwerdefreien Phase weiter gegeben werden.
 

Glukokortikoide

Glukokortikoid-Präparate werden auch als Steroid- oder Kortison-Präparate bezeichnet. Aufgrund ihrer vielfältigen Wirkungen auf die Abwehr- und Entzündungsreaktion vermitteln sie eine starke Entzündungshemmung und stellen einen wesentlichen Bestandteil für die Therapie der Colitis ulcerosa in akuten Situationen (Schub) dar. 

Steroide werden bei Schüben mit mässiger bis schwerer Aktivität eingesetzt. Wichtig bei der Therapie mit Steroiden ist, dass man die Therapie nicht von heute auf morgen absetzen darf. Zum einen soll die erzielte Remission durch ein schnelles Absetzen der Medikation nicht gefährdet werden. Zum anderen kann die körpereigene Produktion des lebensnotwendigen Hormons (Cortisol) durch die Einnahme von "zusätzlichen" Steroiden möglicherweise heruntergefahren werden. Tritt eine Stresssituation auf, können grössere Mengen an Steroiden kurzfristig benötigt werden. Diese bei sofortigen Absetzen von Steroiden, nicht zur Verfügung, da die körpereigene Produktionsanlage erst wieder "hochfahren" muss. Steroide werden deswegen in ihrer Dosis zunächst verringert bevor sie ganz abgesetzt werden können - man nennt diesen Prozess auch Ausschleichen.

Die möglichen Nebenwirkungen variieren von Patient zu Patient und sind abhängig von der Dosis und der Behandlungsdauer. Die wirksame Unterdrückung des lmmunsystems kann die Infektanfälligkeit erhöhen. Steroide dienen daher nur der Behandlung eines akuten Schubes bis maximal 12 Wochen und sind keine "Dauermedikamente": Da Kortison auch den Knochenstoffwechsel negativ beeinflusst, wird die gleichzeitige Einnahme von Kalzium und Vitamin D empfohlen.


Klassische Immunsuppressiva

Immunsuppressiva unterdrücken das körpereigene Abwehrsystem, das bei der Colitis ulcerosa fehlgeleitet ist und übermässig reagiert. Sie greifen in den Stoffwechsel der Abwehrzellen ein und führen zu einer verminderten Bildung dieser Zellen und andererseits zu deren Funktionshemmung. Sie  werden in der Regel über einen längeren Zeitraum angewendet, um ein Wiederaufflammen der Entzündung zu verhindern und die Erkrankung langfristig kontrollieren zu können.

Immunsuppressiva kommen zum Einsatz, wenn die oben genannten Medikamente nicht ausreichen bzw. Kortison nicht ohne erneute Entzündungsaktivität abgesetzt werden kann.

Wie bei jeder wirksamen Therapie kann es auch unter lmmunsuppressiva zu Nebenwirkungen kommen. Die häufigsten Nebenwirkungen sind neben Blutbildveränderungen, Übelkeit, Erbrechen, Bauch- und Gelenksschmerzen, Fieber sowie Entzündungen der Bauchspeicheldrüse und der Leber. Zuletzt wurde auch ein gering erhöhtes Risiko für Haut- und Lymphdrüsenkrebs berichtet. Die meisten Patienten profitieren von der immunsuppressiven Therapie. Die Wirkung tritt jedoch erst nach mehreren Wochen bis Monaten ein.
 

Biologika 

Auch Biologika sind Immunsuppressiva. Sie sind jedoch biotechnologisch hergestellt (daher der Name "Biologika") und hemmen gezielt einzelne entzündungsfördernde Botenstoffe oder die Einwanderung von Abwehrzellen in die Darmschleimhaut.

Zu dieser Gruppe gehören

  • TNF-α-Blocker

TNF-α-Blocker sind Antikörper, die spezifisch einen der entzündungsfördernden Botenstoffe, den Tumornekrosefaktor-α  (TNFα), binden und somit ausschalten. TNF-α-Blocker können den entzündlichen Prozess und die daraus resultierende Zerstörung der Darmschleimhaut stoppen.

Diese Therapie kommt zum Einsatz, wenn die Behandlung mit einem Steroid und einem lmmunsuppressivum bei einem Patienten mit moderater bis schwerer Colitis ulcerosa nicht ausreichend wirkt oder eine Unverträglichkeit gegen solche Therapien besteht. Die Wirkung tritt oft bereits innerhalb weniger Tage ein. Die Anwendung erfolgt entweder als Infusion oder als subkutane lnjektion.

Auch unter dieser Therapie kann es zu unerwünschten Wirkungen kommen. Dazu zählen allergische Reaktionen und lnfusionsreaktionen. Da die lmmunabwehr effektiv unterdrückt wird, können TNF-α-Blocker eine erhöhte Infektanfälligkeit bedingen. Vor Anwendung von TNF-α-Blocker muss daher das Vorliegen von lnfektionserkrankungen einschliesslich Tuberkulose und Hepatitis B ausgeschlossen werden.

  • Darmspezifische lntegrin-Hemmer

Für Patienten, die auf eine konventionelle Therapie oder auf TNF- alpha-Blocker nicht ausreichend ansprechen oder die diese Medikamente nicht vertragen, kommt die Behandlung mit einem lntegrin-Hemmer in Frage. Dieser verhindert, dass aktivierte Entzündungszellen, so genannte Lymphozyten, aus dem Blut in das Darmgewebe einwandern. So wird der Entzündungsprozess in der Darmwand gehemmt.

Seit einigen Jahren stehen auch sogenannte Biosimilars (Nachahmerpräparate von biotechnologisch hergestellten Arzneimitteln) zur Verfügung. Ein Biosimilar ist dem Original sehr ähnlich (similar), aber aufgrund des komplexen Herstellungsprozesses nie exakt gleich.

Operation bei Colitis ulcerosa

Eine Operation des Dickdarms wird notwendig, wenn die Beschwerden der Colitis ulcerosa mit Medikamenten nicht mehr gelindert werden können oder wenn lebensbedrohliche Komplikationen auftreten.

Lebensbedrohliche Komplikationen bei Colitis ulcerosa sind:

  • schwere Darmblutungen
  • fulminante Entzündungen mit starker Dickdarmerweiterung (toxisches Megakolon)
  • Darmdurchbruch (Perforation)
  • Dickdarmkrebs

Bei länger bestehender Erkrankung (> 10 Jahre) ist das Risiko eines bösartigen Dickdarmkrebses erhöht.


Wie verläuft eine Dickdarm-Operation, die Koloproktektomie?

Bei einer Operation wird der gesamte Dickdarm und Enddarm entfernt. Dieser chirurgische Eingriff nennt sich «totale Koloproktektomie». Der Eingriff erfolgt minimal invasiv mit Hilfe der Schlüsselloch-Technik. Das bedeutet, dass der Chirurg die Operation mit kleinen Schnitten in die Bauchwand durchführen kann.

Gleichzeitig wird mit einer Dünndarmschlinge ein neues Reservoir für den Stuhl geschaffen und mit dem Darmausgang (Anus) verbunden. Das nennt sich «Ileo-Pouch, Anale Anastomose oder IPAA». Zum Schutz des neuen Reservoirs wird für die ein künstlicher Darmausgang angelegt, der für 8 bis 12 Wochen beibehalten werden muss. Nach der Heilungsphase wird der künstliche Darmausgang im Rahmen eines kleinen chirurgischen Eingriffes wieder verschlossen.

Nach der Operation kann der Stuhl zurückgehalten werden, bei einer Stuhlfrequenz von 5 bis 6 Stuhlgängen pro Tag und 0-1 pro Nacht. Die Stuhlgänge sind nicht mehr schmerzhaft und explosionsartig und können gut kontrolliert werden. Neuere Studien haben gezeigt, dass die Operation einen langfristig hohen Therapieerfolg zeigt und junge Frauen nach der Operation auch schwanger werden und normal gebären können.

Medizinisch geprüft von Daniel Koch, Senior Specialist Medical Affairs, MSD Schweiz

Daniel Koch ist seit über 35 Jahren in verschiedenen Positionen in der Pharmabranche tätig, davon seit 30 Jahren bei MSD. Seit 2011 arbeitet er als Senior Specialist Medical Affairs im Bereich der Immunologie mit den dazugehörigen chronisch entzündlichen Erkrankungen axiale Spondyloarthritis, rheumatoide Arthritis und Psoriasis-Arthritis.

 


CH-NON-00027; 10/2020

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