Tipps für den Alltag mit axialer Spondyloarthritis inkl. Morbus Bechterew

Selbsthilfegruppen, Bechterew-Gymnastikkurse, ausgewogene Ernährung oder alternative Heilmethoden. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Betroffenen das Leben erleichtern können. Hier bekommen Sie Tipps für den Alltag mit axialer Spondyloarthritis (axSpA) inkl. Morbus Bechterew.

 

Aktualisiert am 4.9.2020 I 7 Minuten Lesezeit

Ärzte und Therapeuten ermutigen Patienten, Experten in eigener Sache zu werden. Denn nur wer seine Krankheit kennt, kann lernen, damit umzugehen. Es gibt vielfältige Möglichkeiten, mehr über die Erkrankung zu erfahren.

Einige Beispiele sind im Folgenden genannt.
 

Behalten Sie den Verlauf im Blick

Es ist heutzutage möglich, das Therapiekonzept individuell auf die Bedürfnisse des Patienten abzustimmen. Dabei kann es hilfreich sein, sich in regelmässigen Abständen Fragen zu stellen und offen und ehrlich darüber mit dem behandelnden Rheumatologen zu sprechen. Zum Beispiel:

  • Bringen mir die Medikamente die erwünschte Linderung?
  • Wie häufig treten bei mir unter der aktuellen Medikation dennoch Symptome auf?
  • Nehme ich die Medikamente wie verordnet?
  • Mache ich regelmässig meine Übungen?
  • Kann ich die erlernten Übungen korrekt ausführen?
  • Ist meine Beweglichkeit verbessert?

 

Bleiben Sie in Bewegung

Regelmässige Bewegung ist eine besonders wichtige Massnahme, da sie zahlreiche positive Auswirkungen auf die Erkrankung haben kann:

  • Versteifungen oder auch Fehlstellungen Ihrer Gelenke vorbeugen
  • Durch Stärkung der Muskulatur und Sehnen Ihre Gelenke entlasten
  • Für bessere Durchblutung der Knochen und Gelenkknorpel sorgen
  • Ihr körperliches und seelisches Wohlbefinden steigern.
     

Treiben Sie Sport

  • Wenn Sie Sport treiben möchten, wählen Sie möglichst gelenkschonende Sportarten.
  • Wenn Sie Krafttraining an Geräten machen, setzen Sie auf weniger Gewicht und häufigere Wiederholungen.
  • Bevor Sie mit einer Sportart beginnen, sollte ein Arzt beurteilen, wie es um Ihre Wirbelsäule steht und was Ihnen guttut. Er wird Sie entsprechend Ihres Krankheitsstatus beraten und die Belastung und Trainingsdauer und -häufigkeit mit Ihnen besprechen.

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Schützen Sie Ihre Knochen

Es ist wichtig, Knochenschwund (Osteoporose) zu verhindern, insbesondere bei Erkrankungen des Bewegungsapparates.
Die Basis für gesunde Knochen:

  • Ausreichend Kalzium, das über die Nahrung aufgenommen werden kann, z. B. mit Milchprodukten, Hartkäse, kalziumreichem Mineralwasser, grünem Blattgemüse (wie Grünkohl, Rucola, Brokkoli)
  • Ausreichend Vitamin D, das durch Sonneneinstrahlung auf die Haut gebildet wird. Meist reicht das normale Tageslicht im Freien aus, auch wenn die Sonne nicht scheint.
  • Regelmässige Bewegung
  • Verzicht auf schädigende Einflüsse wie z. B. Nikotin
     

Besprechen Sie Familienplanung und Schwangerschaft mit Ihrem Arzt

Besteht ein Kinderwunsch, besprechen Sie diesen bitte auch mit Ihrem behandelnden Arzt. Er wird Sie beraten, wie beispielsweise die optimale Vorbereitung der Familiengründung aussehen kann und welche Medikamente vor der Empfängnis bzw. während der Schwangerschaft nötig und möglich sind bzw. abgesetzt werden sollten.


Vermeiden Sie Infektionen

Ein erhöhtes Infektionsrisiko kann beispielsweise bestehen, wenn Sie

  • Therapien anwenden, die das Abwehrsystem beeinflussen (z. B. TNFα-Hemmer)
  • mangelernährt sind
  • älter sind.

Vorbeugende Massnahmen (Beispiele):

  • Sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt über vorbeugende Massnahmen.
  • Achten Sie insbesondere auf Reisen auf Ihre Ernährung und die Hygiene.
  • Lassen Sie Ihren Impfstatus überprüfen und nötige Impfungen vor Beginn einer Biologika-Therapie durchführen bzw. auffrischen, insbesondere mit sogenannten Lebendimpfstoffen.
  • Lassen Sie sich jährlich gegen Grippe impfen.
     

Verzichten Sie aufs Rauchen

Nikotinverzicht lohnt sich grundsätzlich und bei Morbus Bechterew und den Frühformen der axSpA ganz besonders. Denn rauchende Patienten mit axSpA setzen sich dem Risiko eines beschleunigten Krankheitsverlaufs aus. Eine vermehrte Verknöcherung an der Wirbelsäule und somit auch stärkere Einbussen der Beweglichkeit können mit dem Tabakkonsum verbunden sein.
 

Vermeiden Sie Stress

Manche Betroffene geben an, dass sich ihre Symptome unter Stress verschlimmern. Vermutlich liegt das daran, dass Stress den Körper vielfältig beeinflusst und die Widerstandsfähigkeit gegen Entzündungen schwächen kann.

Suchen Sie nach einem Weg, Ihrer inneren Anspannung zu begegnen – möglicherweise fördert auch eine Massage oder autogenes Training Ihr inneres Gleichgewicht. Finden Sie Ihre persönliche Entspannungsquelle und nehmen Sie sich Zeit dafür.
 

Darüber hinaus kann es sinnvoll sein:

  • Übergewicht vorzubeugen bzw. zu reduzieren – das schont die bei dieser entzündlich-rheumatischen Erkrankung ohnehin schon belastete Wirbelsäule und die Gelenke. Ausserdem beugt dies Herz-Kreislauf- sowie Stoffwechselerkrankungen vor.
  • Untergewicht vorzubeugen – chronische Entzündungen können den Körper stark schwächen und zu Gewichtsverlust führen.
  • Zusammenhänge zu beachten – wenn nach dem Verzehr bestimmter Nahrungsmittel regelmässig Beschwerden verstärkt auftreten, könnte eine Unverträglichkeit der Grund sein.
  • Professionellen Rat einzuholen – bei starkem Unter- oder Übergewicht oder bei möglichen Lebensmittelunverträglichkeiten kann eine Ernährungsfachkraft individuell und detailliert beraten.
     

Profitieren Sie vom Erfahrungsaustausch

Gespräche mit Menschen, die ebenfalls an einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung leiden, können hilfreich und motivierend sein. In einer Gruppe mit anderen Betroffenen fühlt man sich häufig verstanden und nicht mehr so sehr auf sich allein gestellt. Selbsthilfegruppen ermöglichen nicht nur einen Erfahrungsaustausch, sondern organisieren auch Funktionsgymnastikkurse und Fortbildungsveranstaltungen, helfen bei Fragen und Problemen mit Krankenkassen und Rentenversicherungsträgern und vielem mehr. Der Kontakt lohnt sich in jedem Fall.


Hier finden Sie Informationen zur Selbsthilfegruppe in der Schweiz:

Schritt für Schritt - Neues entdecken

Die Erfahrung zeigt, dass es nicht „den“ einen speziellen Lebensstil gibt, der für alle Menschen mit axSpA inkl. Morbus Bechterew ratsam ist. Aber es spricht auch nichts dagegen etwas auszuprobieren und eine Ernährungs- und Bewegungsform für sich zu finden, die gut tut, das Behandlungskonzept unterstützt und auch Raum für Genuss und Freude lässt.

Medizinisch geprüft von Daniel Koch, Senior Specialist Medical Affairs, MSD Schweiz

Daniel Koch ist seit über 35 Jahren in verschiedenen Positionen in der Pharmabranche tätig, davon seit 30 Jahren bei MSD. Seit 2011 arbeitet er als Senior Specialist Medical Affairs im Bereich der Immunologie mit den dazugehörigen chronisch entzündlichen Erkrankungen axiale Spondyloarthritis, rheumatoide Arthritis und Psoriasis Arthritis.

 


CH-NON-00025; 09/2020

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