Behandlung des Morbus Crohn

Morbus Crohn ist eine chronische Erkrankung und nicht heilbar. Deshalb sind die Ziele der Behandlung, die Symptome zu lindern, beschwerdefreie Phasen zu verlängern und erneuten Entzündungen vorzubeugen. Hier erfahren Sie mehr über die verschiedenen Möglichkeiten.

 

Aktualisiert am 26.11.2020 I 10 Minuten Lesezeit

Ist die Diagnose Morbus Crohn gestellt, wird der Arzt aus einer Vielzahl von Therapiemöglichkeiten wählen und mit Ihnen zusammen ein langfristiges Gesamtkonzept erstellen. Er wird auch Ihren Hausarzt und weitere behandelnde Ärzte darüber informieren.
 

Medikamente zur Behandlung von Morbus Crohn

Zur Behandlung des Morbus Crohn stehen dem Gastroenterologen Medikamente mit unterschiedlichen Wirkmechanismen zur Verfügung. Häufig benötigen Patienten eine Kombination verschiedener Medikamente. Obwohl die Medikamente Nebenwirkungen haben können, überwiegen die Vorteile und die Linderung der Symptome oft die Nachteile.


Überblick über die verfügbaren Medikamente:

5-ASA-Präparate – für leichte Entzündungshemmung

5-ASA-Präparate (5-Aminosalicylsäure) hemmen die Entzündung im Darm und werden bei Schüben mit geringer bis mässiger Aktivität verwendet. 5-ASA-Präparate gibt es in Form von Tabletten, Zäpfchen oder als Einläufe, die je nach Lokalisation der Entzündung verordnet werden.


Glukokortikoide (Kortisonpräparate) – für starke Entzündungshemmung

Glukokortikoid-Präparate werden auch als Steroid- oder Kortison-Präparate bezeichnet. Sie wirken stark entzündungshemmend und sind eine wichtige Option zur Behandlung eines akuten Schubs. Wenn die Behandlung wirksam ist, sollten die Steroide zunächst in ihrer Dosis verringert werden, bevor sie ganz abgesetzt werden können. Dieser Prozess nennt sich «Ausschleichen.»

Es ist wichtig, Steroide wegen ihrer Nebenwirkungen nicht langfristig und in hoher Dosierung einzunehmen.


Klassische Immunsuppressiva – zur Unterdrückung der Immunabwehr

Klassische lmmunsuppressiva unterdrücken das körpereigene Abwehrsystem, das bei Morbus Crohn fehlgeleitet ist und eigenes Gewebe angreift. Sie kommen zum Einsatz, wenn die oben genannten Medikamente nicht ausreichend wirken bzw. Steroide nicht ohne erneute Entzündungsaktivität abgesetzt werden können.

Auch bei lmmunsuppressiva sind Nebenwirkungen möglich. Die meisten Patienten profitieren von der immunsuppressiven Therapie, jedoch ist es für die Erwartungshaltung wichtig zu wissen, dass die Wirkung und der Erfolg der Therapie erst verzögert eintreten, d. h. nach mehreren Wochen bis Monaten.


Biologika (biotechnologisch hergestellte Arzneimittel) – zur Unterdrückung der Immunabwehr

Auch Biologika sind Immunsuppressiva. Sie sind jedoch biotechnologisch hergestellt (daher der Name "Biologika") und hemmen gezielt einzelne entzündungsfördernde Botenstoffe oder die Einwanderung von Abwehrzellen in die Darmschleimhaut.

Zu dieser Gruppe gehören:

  • TNF-α-Blocker

TNF-α-Blocker sind Antikörper, die spezifisch einen der entzündungsfördernden Botenstoffe, den Tumornekrosefaktor-α (TNFα), binden und somit ausschalten. TNF-α-Blocker können den entzündlichen Prozess und die daraus resultierende Zerstörung der Darmschleimhaut stoppen.

Diese Therapie kommt zum Einsatz, wenn die Behandlung mit einem Steroid oder einem Immunsuppressivum oder einer Kombination aus beiden bei einem Patienten mit moderater bis schwerer Colitis ulcerosa nicht ausreichend wirkt oder Gründe gegen solche Therapien bestehen. Die Wirkung tritt oft bereits innerhalb weniger Tage ein. Die Anwendung erfolgt entweder als Infusion oder als subkutane Injektion.

Mit einer regelmäßigen Behandlung kann der erzielte Therapieerfolg bei vielen Patienten aufrechterhalten und begleitende Steroid-Präparate oft reduziert oder gestoppt werden. Da die Immunabwehr durch die genannten Biologika effektiv unterdrückt wird, kann es häufiger zu Infektionen kommen.

  • Darmspezifische lntegrin-Hemmer

Für Patienten, die auf eine konventionelle Therapie oder auf TNF- alpha-Blocker nicht ausreichend ansprechen oder diese Medikamente nicht vertragen, kommt die Behandlung mit einem lntegrin-Hemmer in Frage. Dieser verhindert, dass aktivierte Entzündungszellen, so genannte Lymphozyten, aus dem Blut in das Darmgewebe einwandern. So wird der Entzündungsprozess in der Darmwand gehemmt.

Seit einigen Jahren stehen auch sogenannte Biosimilars (Nachahmerpräparate von biotechnologisch hergestellten Arzneimitteln) zur Verfügung. Ein Biosimilar ist dem Original sehr ähnlich (similar), aber aufgrund des komplexen Herstellungsprozesses nie exakt gleich.


Antibiotika

Bei Morbus Crohn mit Fistelbildung oder bei Verdacht auf eine bakterielle Infektion können Antibiotika zum Einsatz kommen.

Wichtig bei Morbus Crohn - Therapietreue


Es ist wichtig, dass Sie die verordneten Medikamente einnehmen, auch wenn sich die Symptome gebessert haben. Eine abgebrochene Therapie kann einen erneuten Krankheitsschub auslösen.

 

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie unsicher sind. Möglicherweise kann die Behandlung Ihren Vorstellungen entsprechend angepasst werden.

Operationen bei Morbus Crohn

Eine Operation kann bei Fisteln (krankheitsbedingte Verbindungsgänge, die meistens von den Darmschlingen ausgehen und an die Körperoberfläche, z. B. im Bereich um den After münden), Abszessen (mit Eiter gefüllte Taschen) oder Stenosen (Engstellen) eine geeignete Therapieoption sein.

In einigen Fällen müssen Darmabschnitte entfernt werden. Dieser auch als Resektion bezeichnete Eingriff wird vorgenommen, wenn die Erkrankung zu beeinträchtigenden Veränderungen im Darm geführt hat, die nicht mehr medikamentös behandelbar sind oder wenn die Entzündung in der Schleimhaut einfach nicht zur Ruhe kommt.

Durch eine Operation wird die Erkrankung zwar nicht geheilt, aber sie ist oft nicht nur notwendig, sondern führt auch zu einer massiven Besserung der Beschwerden.

Es gibt Möglichkeiten, Tipps und Empfehlungen, die Betroffenen das Leben mit Morbus Crohn erleichtern können.

 

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Medizinisch geprüft von Daniel Koch, Senior Specialist Medical Affairs, MSD Schweiz

Daniel Koch ist seit über 35 Jahren in verschiedenen Positionen in der Pharmabranche tätig, davon seit 30 Jahren bei MSD. Seit 2011 arbeitet er als Senior Specialist Medical Affairs im Bereich der Immunologie mit den dazugehörigen chronisch entzündlichen Erkrankungen axiale Spondyloarthritis, rheumatoide Arthritis und Psoriasis-Arthritis.

 


CH-NON-00028, 11/2020

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