Tipps für den Alltag mit Colitis ulcerosa

Die Diagnose «Colitis ulcerosa» bedeutet das Leben mit einer chronisch entzündlichen Erkrankung. Wer daran leidet weiss, dass diese plötzlich zum Leben dazu gehört und man lernen muss, sie zu akzeptieren und bestmöglich damit umzugehen. Betroffene sind aber nicht allein. Es gibt Tipps und Hilfestellungen, die Sie im Alltag unterstützen können. Hier erfahren Sie mehr.

 

Aktualisiert am 21.10.2020 I 10 Minuten Lesezeit

Finden Sie die für Sie richtige Ernährungsform

Eine spezielle Diät, die bei Colitis ulcerosa hilft, gibt es leider nicht. Aber es gibt Ernährungsfaktoren, die sich positiv auf Ihren Gesundheitszustand auswirken können.


Ernährung während eines entzündlichen Schubs

Wenn Sie gerade einen entzündlichen Schub haben, ist eines der wichtigsten Therapieziele, Ihren Darm zu entlasten. Häufige Durchfälle und die Angst vor dem Essen während eines Schubs können zu einer reduzierten Aufnahme von Eisen, Vitaminen, wichtigen Mineralstoffen und Spurenelementen. Deshalb ist ein weiteres Ziel, Mangelerscheinungen auszugleichen.

Ja nach Gesundheitszustand können Trink- oder Sondennahrung sinnvoll sein. Wichtig ist auch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, da mit den häufigen Durchfällen auch  viel Wasser und Elektrolyte ausgeschieden werden.

Ihr Arzt wird Sie beraten und angemessene Massnahmen treffen.
 

Ernährung in beschwerdefreien Phasen

Ist die Entzündung abgeklungen, kann mit dem Kostaufbau begonnen werden. Anfänglich können Tee, Zwieback, Haferschleim oder Weissbrot eingenommen werden. Danach können langsam gekochtes Gemüse oder Obst, Kartoffeln, Fleisch, Nudeln und Reis ausprobiert werden. Werden diese Speisen gut vertragen, kann auch Fett auf dem Speiseplan ergänzt werden.

Ziel ist eine ausgewogene Ernährung aufgrund einer leichten Vollkost. Bei der leichten Vollkost gibt es keine Verbote. Was vertragen wird, ist erlaubt.

Führen Sie ein Ernährungstagebuch

 

Schreiben Sie über einen längeren Zeitraum jeden Tag auf, was Sie wann gegessen und getrunken haben und wie es Ihnen danach ging. Hatten Sie Beschwerden? Haben sich vorhandene Symptome verbessert oder verschlechtert? Wenn Sie dies notieren, erhalten Sie einen Überblick darüber, welche Lebensmittel Sie gut vertragen und welche Sie lieber durch andere ersetzen sollten. Dieses Wissen hilft Ihnen, Ihren individuellen Ernährungsplan zusammenzustellen.

Allgemeine Ernährungstipps bei Colitis ulcerosa

Die folgenden Empfehlungen unterstützen eine ausgewogene und schonende Ernährung.

  1. Teilen Sie Ihre Nahrungsmenge auf mehrere kleine Mahlzeiten auf und kauen Sie gründlich.
  2. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit zum Essen.
  3. Trinken Sie genügend (mindestens 1,5 bis 2 Liter pro Tag).
  4. Vermeiden Sie stark angebratene und sehr kräftig gewürzte Speisen.
  5. Verzichten Sie auf grosse Mengen blähender Nahrungsmittel.
  6. Geniessen Sie grössere Obstportionen möglichst nicht in Verbindung mit viel Flüssigkeit. Trinken Sie vor allem keine kohlensäurehaltigen Getränke oder Säfte dazu.
  7. Vermeiden Sie wegen des erhöhten Infektionsrisikos rohes Fleisch, rohen Fisch und Rohmilchprodukte.
  8. Geniessen Sie Zucker und Süsses massvoll. Bedenken Sie, dass Zuckeraustauschstoffe zu Blähungen und Durchfall führen können.


Behalten Sie den Verlauf im Blick

Dank moderner Medikamente ist es heute möglich, die Colitis ulcerosa gut zu kontrollieren und die Symptome zu lindern. Dennoch werden Sie in regelmässigen Abständen einen Termin bei Ihrem Gastroenterologen haben. Sie können bei der Beurteilung des Therapieerfolgs helfen, indem Sie Ihren individuellen Krankheitsverlauf dokumentieren.
 

Beantworten Sie beispielsweise folgende Fragen zur Vorbereitung Ihres nächsten Arzttermins:

  • Hatten Sie seit Ihrem letzten Besuch einen Schub oder neue Symptome?
  • Wie viele Stuhlgänge haben Sie am Tag?
  • Haben Sie vermehrten Stuhldrang?
  • Hatten Sie seit Ihrem letzten Besuch Blut im Stuhl?
  • Welche Lebensbereiche wurden aufgrund Ihrer Colitis ulcerosa-Erkrankung seit Ihrem letzten Besuch negativ beeinflusst?
  • Hatten Sie Bauchschmerzen oder Krämpfe seit Ihrem letzten Besuch?
  • Hatten Sie Schwierigkeiten bei der Anwendung Ihrer Therapie?

So haben Sie und Ihr behandelndes Team den Verlauf im Blick und können frühzeitig reagieren, wenn die Therapie angepasst werden muss.
 

Bereiten Sie Ausflüge und Reisen sorgfältig vor

Patienten mit Colitis ulcerosa können natürlich auch auf Reisen gehen, allerdings empfiehlt sich eine gewissenhafte Planung. Achten Sie im Voraus auf Besonderheiten und besprechen Sie diese mit Ihrem Arzt.

Denken Sie an Folgendes:

Beachten Sie die geltenden Hygiene- und Schutzmassnahmen

Informieren Sie sich über die Situation an Ihrem Reiseziel und tragen Sie - falls empfohlen - eine Mundschutzmaske.


Vervollständigen Sie Ihre Reiseapotheke

Nehmen Sie ausreichend Medikamente mit, die sie regelmässig oder im Notfall einnehmen.

Falls Sie Biologika benötigen, planen Sie den Transport in einer Kühlbox oder mit mobilen Kühlgeräten. Informieren Sie sich schon vor der Abreise, ob die empfohlene Lagerung Ihrer Medikamente am Reiseziel möglich ist. Bitte beachten Sie auch, dass Sie bei Reisen ins Ausland für bestimmte Medikamente (u.a. starke Schmerzmittel) eine amtliche, ärztliche Bescheinigung benötigen.

Zusätzliche sollte Ihre Reiseapotheke folgendes enthalten:

  • Desinfektionsmittel
  • Verbandsmaterial
  • Mundschutzmasken
  • Heilsalbe
  • Fieberthermometer
  • Medikamente gegen Durchfall und Erbrechen
  • Kopfschmerztabletten
  • Salbe gegen Insektenstiche und Sonnenbrand
  • Sonnencreme mit möglichst hohem Lichtschutzfaktor


Informieren Sie sich über die Möglichkeiten an Ihrem Reiseziel

Gibt es öffentliche Verkehrsmittel, ein Stadtzentrum, Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte, Spezialisten, Apotheken? Recherchieren Sie und planen Sie entsprechend.
 

Prüfen Sie Ihren Impfstatus 

Wenn Sie ins Ausland möchten, ist es je nach Reisegebiet und Reisezeit wichtig zu klären, welche Impfungen sinnvoll sind. Als Rheumapatient haben Sie durch die Erkrankung und Ihre Medikamente ein geschwächtes Immunsystem und sind somit einem höheren Risiko ausgesetzt, an einer Infektion zu erkranken.

Falls Sie Urlaub in der Schweiz planen, empfiehlt sich die Zeckenimpfung. Denken Sie daran, Ihren Impfpass zum nächsten Termin mitzunehmen.
 

​Schützen Sie Ihre Knochen

Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen haben ein erhöhtes Risiko für Osteoporose (Knochenschwund). Die folgenden Tipps bilden die Basis für gesunde Knochen:


Führen Sie Ihrem Körper ausreichend Kalzium zu

Kalzium können Sie über die Nahrung aufnehmen z. B. mit Milchprodukten, Hartkäse, kalziumreichem Mineralwasser oder grünem Blattgemüse (wie Grünkohl, Rucola, Brokkoli)


Nehmen Sie ausreichend Vitamin D

Vitamin D wird durch Sonneneinstrahlung auf die Haut gebildet. In der Regel reicht das normale Tageslicht im Freien aus, auch wenn die Sonne nicht scheint.


Bewegen Sie sich regelmässig

Regelmässige Bewegung kräftigt die Knochen. Integrieren Sie bei beschwerdefreien Phasen Sport und Bewegung in Ihren Alltag.


Besprechen Sie Familienplanung und Schwangerschaft mit Ihrem Arzt

Colitis ulcerosa schliesst einen Kinderwunsch nicht aus. Besteht ein Kinderwunsch, besprechen Sie diesen bitte mit Ihrem behandelnden Arzt. Er wird Sie beraten, wie beispielsweise die optimale Vorbereitung der Familiengründung aussehen kann und welche Medikamente vor der Empfängnis bzw. während der Schwangerschaft nötig und möglich sind bzw. abgesetzt werden sollten.


Vermeiden Sie Infektionen

Ein erhöhtes Infektionsrisiko kann beispielsweise bestehen, wenn Sie Therapien anwenden, die das Abwehrsystem beeinflussen (z. B. TNFα-Hemmer), wenn Sie mangelernährt oder älter sind.

Massnahmen zur Vorbeugung von Infektionen:

  • Sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt über vorbeugende Massnahmen.
  • Achten Sie insbesondere auf Reisen auf Ihre Ernährung und die Hygiene.
  • Lassen Sie Ihren Impfstatus überprüfen und nötige Impfungen vor Beginn einer Biologika-Therapie durchführen bzw. auffrischen, insbesondere mit sogenannten Lebendimpfstoffen.
  • Lassen Sie sich jährlich gegen Grippe impfen.


Vermeiden Sie Stress

Manche Betroffene geben an, dass sich ihre Symptome unter Stress verschlimmern. Vermutlich liegt das daran, dass Stress den Körper vielfältig beeinflusst und die Widerstandsfähigkeit gegen Entzündungen schwächen kann.

Suchen Sie nach einem Weg, Ihrer inneren Anspannung zu begegnen – möglicherweise fördert auch eine Massage oder autogenes Training Ihr inneres Gleichgewicht. Finden Sie Ihre persönliche Entspannungsquelle und nehmen Sie sich Zeit dafür.


Denken Sie an die regelmässige Krebsvorsorge und -früherkennung

Patienten mit Colitis ulcerosa haben ein erhöhtes Risiko, Dickdarm- oder Enddarmkrebs zu entwickeln. Deshalb sollten  Betroffene 6 bis 8 Jahre nach Krankheitsbeginn, eine Darmspiegelung zur Krebsvorsorge und Krebsfrüherkennung durchführen lassen.
 

Entdecken Sie neue berufliche Perspektiven

Veränderung brauchen Mut und kosten Kraft. Aber es lohnt sich immer, die Zukunft aktiv mitzugestalten. Hat Ihre Erkrankung Ihre beruflichen Pläne durchkreuzt? Beschäftigen Sie sich mit einer möglichen Neuorientierung. Sprechen Sie mit Ihrer Familie und Bekannten. Entdecken Sie neue Perspektiven und einen neuen Weg. Es gibt immer eine Lösung und jemanden, der Ihnen hilft.
 

Profitieren Sie vom Erfahrungsaustausch

Gespräche mit Menschen, die ebenfalls an einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung leiden, können helfen, motivieren und der gesellschaftlichen Isolation vorbeugen. Menschen, die Ihr Schicksal teilen, verstehen Sie genau. Die Patientenorganisation Crohn-Colitis Schweiz ist wie eine Familie. Die Mitglieder verbinden ähnliche Geschichten und Schicksale. Sie helfen sich gegenseitig und teilen ihre Sorgen.

Hier finden Sie Informationen zur Selbsthilfegruppe in der Schweiz:

Medizinisch geprüft von Daniel Koch, Senior Specialist Medical Affairs, MSD Schweiz

Daniel Koch ist seit über 35 Jahren in verschiedenen Positionen in der Pharmabranche tätig, davon seit 30 Jahren bei MSD. Seit 2011 arbeitet er als Senior Specialist Medical Affairs im Bereich der Immunologie mit den dazugehörigen chronisch entzündlichen Erkrankungen axiale Spondyloarthritis, rheumatoide Arthritis und Psoriasis-Arthritis.

 


CH-NON-00027; 10/2020

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