Autoimmunerkrankungen – Definition und häufigste Formen

Was sind Autoimmunerkrankungen? Welche Formen treten am häufigsten auf? Welche Rolle spielt unser Immunsystem? Hier erhalten Sie Antworten auf diese Fragen und erfahren in einem einfach verständlichen Video, wie eine chronische Entzündung entsteht und wie sie behandelt werden kann.

 

Aktualisiert am 3.8.2020 I 10 Minuten Lesezeit

Was ist eine Autoimmunerkrankung?

Eine Autoimmunerkrankung ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise gesunde Zellen angreift und körpereigenes Gewebe beschädigt oder teilweise ganz zerstört. Diese Fehlleitung des Immunsystems kann alle Organe betreffen. So kann die daraus entstehende Entzündungsreaktion zu Erkrankungen der Atemwege, des Darms, der Haut, des Nervensystems, der Nieren, der Gefässe oder der Schilddrüse führen, um nur einige Beispiele zu nennen.

Die Rolle unseres Immunsystems

Das Immunsystem schützt den Körper vor Krankheitserregern wie Bakterien, Viren, Parasiten oder Pilze, vor Schadstoffen aus der Umwelt und vor krankmachenden Zellveränderungen. Es kennt alle im Körper vorkommenden Zellen und Substanzen.

Jede nicht bekannte Substanz löst einen Alarm aus, der das Immunsystem dazu veranlasst, sie anzugreifen. Dringt beispielsweise ein Virus in den Körper ein, wird das Virus oder Virusteile als fremd erkannt. Diese fremden Strukturen oder Eiweisse werden in der Fachsprache «Antigene» genannt. Die Antigene stimulieren das Immunsystem und der Eindringling wird bekämpft.

Das Immunsystem schützt unseren Körper vor Krankheitserregern. Es wird auch als körpereigene Abwehr, Abwehrsystem oder Immunabwehr bezeichnet. Bei einer Autoimmunerkrankung stuft das Immunsystem körpereigene, gesunde Zellen irrtümlich als fremd ein und bekämpft sie. Das nennt man Autoimmunreaktion.

Wie eine chronische Entzündung entsteht und wie diese behandelt werden kann, ist im folgenden Video leicht verständlich erklärt.

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Häufige Autoimmunerkrankungen

Es gibt viele verschiedene Autoimmunerkrankungen. Zu einigen der bekanntesten zählen:

Typ-1 Diabetes

Diabetes Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung, bei der die Betazellen der Bauchspeicheldrüse, die das für die Regulierung des Blutzuckers notwendige Insulin herstellen, vom Immunsystem des Körpers zerstört werden. Menschen mit Typ-1 Diabetes sind lebenslang auf die Gabe von Insulin angewiesen. Heilungsmöglichkeiten bestehen bisher noch nicht. Typ-1-Diabetes tritt häufiger bei Kindern und jungen Erwachsenen auf, kann aber Personen in jedem Lebensalter treffen.

Multiple Sklerose

Multiple Sklerose (MS) ist eine entzündliche Erkrankung des Nervensystems, bei der sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper stellt. MS kann zu verschiedenen Störungen der Körperfunktionen führen, wie zum Beispiel Seh- und Gleichgewichtsstörungen, Lähmungen, Schmerzen, Blasen- und Darmstörungen. Bei 80% der Betroffenen zeigen sich die ersten Symptome im Alter von 20 bis 40 Jahren.

Morbus Crohn

Morbus Crohn ist eine der häufigsten chronisch-entzündliche Darmerkrankung, die den gesamten Verdauungstrakt, von der Mundhöhle bis zum After betreffen kann. Rund 16000 Menschen in der Schweiz leiden daran. Zu den Symptomen des Morbus Crohn zählen heftige Bauchschmerzen, Durchfall, Fieber und Gewichtsverlust. Morbus Crohn tritt häufig im Alter von 20 bis 35 Jahren auf.

Rheumatoide Arthritis

Die rheumatoide Arthritis (RA) ist die häufigste chronisch entzündliche Erkrankung der Gelenke. Betroffene leiden an Schmerzen und Schwellungen. Die chronischen Entzündungen schränken die Funktion der betroffenen Gelenke empfindlich ein und können sie auf Dauer komplett zerstören. In der Schweiz sind ungefähr 85'000 Menschen von einer rheumatoiden Arthritis betroffen. Am häufigsten entwickelt sich eine RA zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr.

Zöliakie (Glutenunverträglichkeit)

Zöliakie ist eine Unverträglichkeit des Dünndarms gegenüber Gluten. Gluten ist ein Sammelbegriff für Proteine (Eiweisse), die in den Getreidesorten Weizen, Dinkel und Ur-Dinkel, Grünkern, Gerste, Roggen und Hafer enthalten sind. Bei Betroffenen löst der Verzehr von Gluten eine Entzündung der Dünndarmschleimhaut aus, was zu einer verminderten Nährstoffaufnahme führt. In der Schweiz ist rund  1 von 100 Personen von Zöliakie betroffen.

Hashimoto-Thyreoiditis

Die Hashimoto-Thyreoiditis ist eine Autoimmunerkrankung, die zu einer Schilddrüsenunterfunktion führt. Ursache ist eine Störung des Immunsystems, die zu einer entzündlichen Reaktion in der Schilddrüse und zu einer Störung der Schilddrüsenhormonproduktion führt. In den meisten Fällen tritt die Krankheit im Erwachsenenalter auf.

Was sind Immunsuppressiva?

 

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10 Tipps, wie Sie Ihr Immunsystem stärken können

  1. Waschen Sie sich häufig die Hände und halten Sie sich an aktuelle Hygiene- und Verhaltensempfehlungen.
  2. Bewegen Sie sich regelmässig und treiben Sie idealerweise 2-3 Mal pro Woche mindestens 30 Minuten Sport.
  3. Essen Sie möglichst gesund. Lieber Früchte, Gemüse und Vollkornprodukte als Fettiges, Fast Food und Süssigkeiten.
  4. Trinken Sie mindestens 2 Liter Flüssigkeit am Tag, am besten ungesüsste Getränke wie z. B. Wasser oder Tee.
  5. Schlafen Sie gut und ausreichend.
  6. Vermeiden Sie Stress und Überanstrengung.
  7. Prüfen Sie Ihren Impfstatus und besprechen Sie diesen mit Ihrem Hausarzt.
  8. Verzichten Sie möglichst auf Alkohol und Zigaretten.
  9. Halten Sie ein gesundes Körpergewicht.
  10. Denken Sie daran: besonders im Winter braucht Ihr Körper Sonnenlicht und Vitamin D.

Medizinisch geprüft von Dr. rer. nat. Brigitte Reinhart, Medical Services Manager, MSD Schweiz

Brigitte Reinhart ist ausgebildete Molekularbiologin und Gentechnologin. Sie ist sehr erfahren in angewandter medizinischer Forschung und arbeitet seit mehr als 15 Jahren in medizinischen Abteilungen grosser pharmazeutischer Unternehmen. Als Medical Services Manager von MSD stellt sie die Qualität und Richtigkeit der hier veröffentlichten Inhalte sicher.

 


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