Rheumatoide Arthritis – Therapie

Rheumatoide Arthritis ist eine chronische Erkrankung und nicht heilbar. Moderne Medikamente lindern jedoch bei den meisten Patienten die Symptome und ermöglichen ihnen ein fast normales Leben. Mit den richtigen Medikamenten kann die Krankheit also gut kontrolliert werden. Erfahren Sie mehr über die Therapieziele, die Behandlungsmöglichkeiten und begleitende Therapieformen.

 

Aktualisiert am 25.9.2020 I 5 Minuten Lesezeit

Therapieziele bei rheumatoider Arthritis

Es gibt nicht die «eine» Therapie, die bei jedem Patient wirkt. Der Rheumatologe wird aus den bestehenden Behandlungsmöglichkeiten Ihr individuelles Behandlungskonzept erstellen.
 

Ziele der Behandlung sind:

  • Verlangsamung bzw. Rückgang der entzündlichen Krankheitsprozesse
  • Verbesserung der Lebensqualität durch Schmerzlinderung und Unterstützung der Aktivitäten des täglichen Lebens
  • Erhaltung der Funktion und der Kraft der betroffenen Gelenke
  • Stabilisierung der psychosozialen Situation

Die rheumatoide Arthritis verläuft sehr unterschiedlich. Deshalb muss die Therapie fortlaufend kontrolliert und bei Bedarf angepasst werden. Dem Rheumatologen stehen dabei  eine Auswahl verschiedener Medikamente sowie begleitende Therapien zur Verfügung.


Medikamente bei rheumatoider Arthritis

Zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis stehen verschiedene Medikamente mit unterschiedlichen Wirkmechanismen zur Verfügung. Es gibt Medikamente, die den Krankheitsverlauf beeinflussen (Basistherapeutika) und solche, die die Symptome lindern, aber den Krankheitsverlauf nicht beeinflussen (NSAR und Kortison).
 

Die Basistherapie - Krankheitsmodifizierende Medikamente (DMARDs)

Basistherapeutika (sogenannte «disease modifying anti-rheumatic drugs», DMARDs) sind der Grundpfeiler in der Behandlung der rheumatoiden Arthritis. Basistherapeutika können den Entzündungsprozess bei der rheumatoiden Arthritis reduzieren und dadurch das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen oder sogar aufhalten.

Diese Medikamente müssen über einen längeren Zeitraum eingenommen werden und brauchen meist mehrere Wochen (in einzelnen Fällen auch länger), bis sie vollständig wirken. Einige Patienten sind durch den Einsatz der Basistherapeutika über einen sehr langen Zeitraum nahezu beschwerdefrei und haben trotz der Erkrankung eine hohe Lebensqualität.

Zu dieser Medikamentengruppe zählen:

  • konventionelle Basistherapeutika

Die Substanz der ersten Wahl ist Methotrexat, aber auch Sulfasalazin oder Leflunomid werden bei Unverträglichkeit, Kontraindikation oder fehlender Wirkung von Methotrexat verordnet.

Manchmal werden konventionelle Basistherapeutika auch miteinander kombiniert. Die meisten Patienten vertragen Basistherapeutika sehr gut. Dennoch sind regelmässige Kontrollen notwendig, um mögliche Nebenwirkungen frühzeitig zu erfassen.

  • Biologika (bDMARDs)

Die so genannten Biologika sind biotechnisch hergestellte Abwehrstoffe (z. B. Antikörper), die speziell gegen bestimmte Entzündungsbotenstoffe gerichtet sind oder bestimmte Rezeptoren und Immunzellen hemmen.

Biologika werden bei der rheumatoiden Arthritis nur nach Versagen von (einem oder mehreren) konventionellen Basistherapeutika eingesetzt. Üblicherweise werden Biologika mit konventionellen Basistherapeutika kombiniert, da die Kombinationstherapie in der Regel wirksamer ist als die alleinige Gabe des Biologikums.

Biologika werden in regelmässigen Abständen gespritzt oder als Infusion verabreicht - das Intervall ist dabei von Medikament zu Medikament verschieden. Auch Biologika werden von den meisten Patienten gut vertragen, chronische lnfektionen (insbesondere eine Tuberkulose) und aktive Krebserkrankungen sollten vor Beginn der Behandlung aber ausgeschlossen werden.

  • Zielgerichtete synthetische Basistherapeutika (sDMARD)

Diese so genannten «Small molecules» werden nach Versagen von (einem oder mehreren) konventionellen Basistherapeutika eingesetzt. Sie greifen innerhalb der Zelle in die Weiterleitung von Signalen ein. Dadurch werden lmmunzellen gezielt gehemmt, wodurch es schlussendlich zu einer Reduktion der Entzündung kommt. Diese Medikamente werden in der Regel mit konventionellen Basistherapeutika kombiniert.

Die meisten Patienten vertragen synthetische Basistherapeutika gut. Chronische lnfektionen und aktive Krebserkrankungen sollten jedoch vor Einleitung der Therapie ausgeschlossen werden. Im Therapieverlauf sind regelmässige Blutkontrollen notwendig.
 

Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)

Nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) sind entzündungs- und schmerzhemmende Medikamente, die bei der rheumatoiden Arthritis zusätzlich zur Basistherapie verordnet werden, beispielsweise während eines Erkrankungsschubes.

NSAR verringern zwar die Krankheitszeichen wie Schmerz und Gelenksteife, haben jedoch keinen Einfluss auf den Krankheitsverlauf (symptomatische Therapie).


Kortison

Kortisonpräparate wirken rasch und sind stark entzündungshemmend. Auch Kortison wird üblicherweise zusätzlich zur Basistherapie verordnet, beispielsweise zur Behandlung eines Krankheitsschubes. Der Rheumatologe versucht dabei, die niedrigste wirksame Dosis einzusetzen, um Nebenwirkungen zu vermeiden oder so gering wie möglich zu halten. Das Ziel muss es aber sein, die Entzündung so rasch wie möglich in den Griff zu bekommen, da auch kurz andauernde Entzündungsschube bereits zu irreparablen Schäden führen können.

«Heute kann ich gut mit rheumatoider Arthritis leben.»

Sera Yeramian lebt seit ihrem 16. Lebensjahr mit rheumatoider Arthritis.

Erfahren Sie, was ihr geholfen hat, ihre Lebensqualität zurück zu gewinnen.
 

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Begleitende Therapieformen bei rheumatoider Arthritis

Die beste Behandlung der rheumatoiden Arthritis braucht mehr als nur Medikamente. Wichtig ist auch die Aufklärung der Patienten, wie man mit der Erkrankung umgeht. Die Begleitung des Patienten erfordert oft ein Team von Spezialsiten, darunter Rheumatologen, Hausärzte sowie Physio- und Ergotherapeuten. Als Patient werden Sie das ganze Jahr über Besuche bei Ihrem Rheumatologen benötigen. Bei diesen Kontrolluntersuchungen kann Ihr Arzt den Verlauf Ihrer Erkrankung verfolgen und eventuelle Nebenwirkungen Ihrer Medikamente überprüfen.

Es gibt weitere Therapiemöglichkeiten, die ergänzend zu Medikamenten hilfreich sein können. Dazu zählen:
 

Bewegung und Sport

Körperliche und sportliche Aktivitäten können sich positiv auf die Erkrankung auswirken. Sie können dazu beitragen, die Gelenkbeweglichkeit zu erhalten und Kraft und Ausdauer zu fördern. Die Wahl und die Intensität der Aktivitäten sollten mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. Wichtig ist auch, dass Sie die für Sie geeigneten Übungen unter fachgerechter Anleitung eines Physiotherapeuten erlernen.
 

Ergotherapie

Ziel der Ergotherapie ist das Erlernen gelenkschonender Bewegungsabläufe, um Schmerzen zu lindern und nicht betroffene Gelenke durch Ausweichbewegungen nicht zu sehr zu strapazieren. Durch die Ergotherapie kann zum Beispiel die Funktion der Hand bei rheumatoider Arthritis gefördert und die Selbständigkeit bei alltäglichen Tätigkeiten erhalten werden. Möglich sind Handgymnastik und das Erlernen des Umgangs mit Hilfsmitteln.
 

Chirurgie

Wenn die chronische Entzündung einzelner Gelenke mit Medikamenten nicht gestoppt werden kann, eignet sich als nächster Schritt möglicherweise die Entfernung der entzündeten Gelenkinnenhaut (Synovektomie). Eventuell ist auch der Ersatz durch ein künstliches Gelenk (Prothese) eine Option. Weitere chirurgische Behandlungsmöglichkeiten sind Stellungskorrekturen und die Versteifung einzelner Gelenke.

Es gibt Möglichkeiten, Tipps und Empfehlungen, die Betroffenen das Leben mit rheumatoider Arthritis erleichtern können.

 

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Medizinisch geprüft von Daniel Koch, Senior Specialist Medical Affairs, MSD Schweiz

Daniel Koch ist seit über 35 Jahren in verschiedenen Positionen in der Pharmabranche tätig, davon seit 30 Jahren bei MSD. Seit 2011 arbeitet er als Senior Specialist Medical Affairs im Bereich der Immunologie mit den dazugehörigen chronisch entzündlichen Erkrankungen axiale Spondyloarthritis, rheumatoide Arthritis und Psoriasis Arthritis.

 


CH-NON-00024; 09/2020

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