Reisen mit Rheuma

In den Urlaub zu fahren bedeutet, dem Alltag zu entfliehen, Freiheit zu geniessen und neue Länder kennenzulernen. Die räumliche und geistige Entfernung zum Alltag wirkt sich positiv auf Körper und Psyche aus: Man schöpft im Urlaub Lebenskraft und erholt sich körperlich von der täglichen Routine.

Aber kann man mit einer rheumatischen Erkrankung ganz normal Urlaub machen? Die Antwort lautet ganz klar: Ja – mit der richtigen Vorbereitung. Für Menschen mit chronisch rheumatischen Erkrankungen ist die gewissenhafte Vorbereitung einer Urlaubsreise ausschlaggebend für einen entspannten und erholsamen Urlaub.

Wer beispielsweise einen Ort mit günstigen klimatischen Verhältnissen aussucht und im Voraus auf Besonderheiten, wie Transport und Lagerung temperaturempfindlicher Medikamente achtet, hat beste Aussichten auf unbeschwerte Tage. Was Sie im Vorfeld bedenken und klären sollten, welche Vorbereitungen Sie treffen und welche Massnahmen Sie am Urlaubsort einhalten sollten, erfahren Sie hier:

Vor dem Urlaub

Welches Klima eignet sich?

Es gibt Dinge, die können vor Ort verändert oder angepasst werden – die klimatischen Verhältnisse gehören nicht dazu. Bevor also weitere Reisepläne geschmiedet werden können, muss sorgsam geschaut werden, in welchen Regionen zu welcher Jahreszeit ein „rheumagünstiges“ Klima herrscht. Insgesamt bieten drei Bioklimate – also länderübergreifende, geologische Regionen – für Rheumatiker günstige Verhältnisse. Gemeinsam ist ihnen ein möglichst konstantes, mildtrockenes Klima.

Geeignet

Trockenwarm. Ideal im Frühjahr und Herbst, um hohe Temperaturen zu vermeiden. UV-Strahlung beachten.

Moderate Strahlung. Konstante Temperaturverhältnisse und Luftfeuchtigkeit durch Wälder.

Reine Luft. Keine zu hohen Temperaturen. UV-Strahlung beachten.

Weniger geeignet

Häufige, schnelle und ausgeprägte Wetterwechsel. Oft nass und kalt. Anhaltender Nebel.

Schwülwarmes Klima. Hohe Luftfeuchte. Erhöhte Infektionsgefahr.

Generelle Wetterfaktoren

Von entspannten Tagen am Meer bis zu erfrischenden Wanderungen in den Bergen – das Ideal des perfekten Urlaubs ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Auch wenn heutzutage Rheumapatienten dank moderner Therapien viele Möglichkeiten offenstehen, spielen die Klima- und Wetterbedingungen am Urlaubsort eine entscheidende Rolle für das körperliche Wohlbefinden. Welche Faktoren die Krankheitssymptome ganz allgemein positiv oder negativ beeinflussen können, haben wir hier für Sie zusammengefasst:

Positiv:
Negativ:
Positiv:

reine Luft

geringe Allergenbelastung

wenig Pollen

milde Lichteinstrahlung

stabile Wetterlage

warm

trocken

Negativ:

schadstoffhaltige Luft

intensive oder geringe UV-Strahlung

starke Temperaturschwankungen

schwülwarmes tropisches Klima

nass-kaltes Wetter

anhaltender Nebel

Beispiele für geeignete Reiseziele:
  • Sommer: Nordeuropa: Alpen
  • Frühling/Herbst: Mittelmeerküste Frankreich, Spanien, Italien: Balearen
  • Winter/ganzjährig: Kanarische Inseln

Infektionen und Impfungen

Viele Rheumapatienten haben ein geschwächtes Immunsystem – durch Medikamente wie Kortison, Basismedikamente und Biologika oder auch durch die Erkrankung selbst – und sind somit einem höheren Risiko ausgesetzt, an einer Infektion zu erkranken. Je nach Reisegebiet, Reisezeit und geplanter Urlaubsform ist es daher wichtig zu klären, welche Impfungen sinnvoll sind.

Bitte sprechen Sie daher vor dem Urlaub mit Ihrem behandelnden Arzt.

Bitte beachten Sie, dass Sie sich nicht vor jeder Infektion mit einer Impfung schützen können. Besondere Vorsicht ist bei Nahrungsmitteln und Trinkwasser geboten − oft reicht schon ein einzelner „infizierter“ Eiswürfel im Getränk aus, um Komplikationen zu verursachen. Auch sollten im fernen Ausland Nahrungsmittel nur dann verzehrt werden, wenn sie gekocht, gebraten oder geschält sind.

Informieren Sie sich rechtzeitig über die Entwicklungen am Urlaubsort (z. B. beim Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut oder unter safetravel.ch) und über Möglichkeiten der Prävention.

Beim Eidgenössischem Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) können Sie sich zusätzlich zu den medizinischen Rahmenbedingungen auch über sicherheitspolitische Aspekte in Ihrem Reiseland informieren.

Wichtig:

Rheumatiker haben ein erhöhtes Infektionsrisiko. Deshalb sollten im Urlaub folgende Regeln unbedingt beachtet werden:

  • Nur gekochte, gebratene oder geschälte Lebensmittel verzehren!
  • Kein Leitungswasser, keine Eiswürfel!
  • Kein Speiseeis − wenn überhaupt, dann abgepacktes Eis am Stiel.
  • Klimaanlage im Hotelzimmer nicht zu kalt stellen. (Kann Bronchitis, Husten und Schnupfen auslösen.)
  • Regionen mit hohem Infektionsrisiko meiden.

Medikamente

Als Rheumapatient müssen Sie einerseits Ihre therapeutische Medikation mit sich führen. Idealerweise sollten Sie ein paar zusätzliche Medikamente in Ihrer Reiseapotheke haben, um auch auf aussergewöhnliche Situationen schnell und gezielt reagieren zu können.

Bei Zeichen einer Infektion, wie z. B. Fieber oder Durchfall, sollten Sie allerdings umgehend einen Arzt vor Ort aufsuchen. Werden Sie mit Medikamenten behandelt, die das Immunsystem unterdrücken, ist durch den Arzt zu prüfen, ob diese Therapie angepasst werden muss. Nehmen Sie generell immer mehr Medikamente mit, als Sie für die veranschlagte Zeit brauchen, damit Sie für den Fall eines teilweisen Verlustes oder einer ungeplanten Verlängerung der Reise gerüstet sind. Lassen Sie sich für eine individuell optimierte Reise-Apotheke von Ihrem Arzt beraten.

Ihre Reiseapotheke sollte Folgendes beinhalten:

  • Basismedikation
  • Notfallmedikation
    • Desinfektionsmittel
    • Verbandsmaterial
    • Heilsalbe
    • Fieberthermometer
    • Medikamente gegen Durchfall und Erbrechen
    • Kopfschmerztabletten
    • Salbe gegen Insektenstiche und Sonnenbrand

Einige Medikamente müssen gekühlt gelagert und transportiert werden. Beispielsweise müssen einige Biologika konstant zwischen +2° bis + 8°C gelagert werden. Nähere Informationen zu den einzelnen Medikamenten entnehmen Sie bitte der jeweiligen Packungsbeilage.

Planen Sie den Transport der Medikamente im Falle einer nötigen Kühlung mit Hilfe von Kühlboxen oder mobilen Kühlgeräten. Stellen Sie möglichst vor der Abreise schon eine den Angaben des Herstellers entsprechende Lagerung vor Ort sicher. Bitte beachten Sie, dass Sie bei Reisen ins Ausland für betäubungsmittelpflichtige Medikamente (u.a. starke Schmerzmittel) eine amtliche, ärztliche Bescheinigung benötigen.

  • Im Flugzeug
    Bei Flugreisen müssen Medikamente immer im Handgepäck mitgeführt werden, da es im Frachtraum zu kalt für viele Wirkstoffe wird. Klären Sie beispielsweise bei starken Schmerzmitteln und Pens/Spritzen im Vorfeld mit Ihrem Arzt und der Fluglinie ab, welche Bescheinigungen Sie für die Einfuhr ins Ausland und für den Transport im Flugzeug benötigen. Unterstützung, z.B. in Form von Vordrucken für das Flugpersonal, bieten einige Arzneimittel-Hersteller.
     
  • Im Auto
    Da es im Auto sehr schnell sehr heiss werden kann, ist besondere Vorsicht geboten. Für Medikamente, die gekühlt werden müssen, ist eine elektrische Kühlbox ideal, in der die Medikamente während der Fahrt konstant kühl gelagert werden können. Lassen Sie die Medikamente nie im geparkten Auto liegen.
     
  • In Bus und Bahn
    Klären Sie im Vorfeld ab, ob Sie eventuell vorhandene Kühlfächer nutzen können oder behelfen Sie sich mit einer Kühltasche. Diese kann in der Regel beim behandelnden Arzt bezogen werden.
     
  • In der Unterkunft
    Hotel, Camping oder Ferienwohnung? Auch bei Ihrer Unterkunft sollte gewährleistet werden, dass Sie die Möglichkeit haben, Ihre Medikamente eventuell kühl zu lagern. Es ist ausserdem empfehlenswert, sich darüber zu informieren, ob Sie beispielsweise in Ihrem Hotelzimmer selbst die Möglichkeit haben, die Klimaanlage zu regeln. Denn häufig sind die Temperaturen zu kalt eingestellt. Bronchitis, Husten und Schnupfen können die Folge sein.

Medizinische Strukturen vor Ort

Informieren Sie sich vor der Reise über die vor Ort vorhandenen Strukturen: gibt es Ärzte, Spezialisten, Apotheken? Auf der Internetseite des Eidgenössischem Departements für auswärtige Angelegenheiten erhalten Sie dazu wichtige Informationen.

Reisegepäck

Achten Sie darauf, Ihre Gelenke nicht mit dem Transport schwerer Koffer oder Taschen zu belasten. Wann immer möglich, nutzen Sie den Reisegepäckservice der Bahn oder Ihres Reiseveranstalters. Sehr empfehlenswert sind Rollkoffer, die bequem gezogen werden können. Als Handgepäck bieten sich ein Trolley, ein kleiner Rucksack oder eine Umhängetasche an.

Tipp:

Gehen Sie gelenkschonend auf Reisen:

  • Geben Sie Ihr Gepäck wenn möglich immer auf.
  • Benutzen Sie einen bequemen Rollkoffer.
  • Verstauen Sie Ihr Handgepäck im Trolley oder Rucksack.
  • Bitten Sie beim Verladen Ihrer Gepäckstücke um Hilfe.

Versicherungen

Als Rheumapatient müssen Sie damit rechnen, einen Urlaub nicht antreten zu können oder vorzeitig abbrechen zu müssen. Auch kann es trotz sorgsamer Planung passieren, dass Sie im Ausland ärztliche Hilfe oder Medikamente benötigen. Versicherungen können helfen, den finanziellen Aufwand für Sie zu minimieren.

Ist man im Ausland auf ärztliche Behandlung angewiesen, kann das ohne Reisekrankenversicherung schnell sehr teuer werden. Für Rheumatiker besonders wichtig: Stellen Sie sicher, dass die Versicherung auch den Fall der Verschlechterung einer chronischen Erkrankung einschliesst. Ausserdem wird in den Leistungen dieser Versicherung unterschieden zwischen „medizinisch notwendigem“ Rücktransport und „medizinisch sinnvollem“ Rücktransport. „Medizinisch sinnvoll“ bedeutet, dass auch Ihr Wunsch einer Rückreise berücksichtigt wird.

Kann eine bereits gebuchte Reise nicht angetreten werden, müssen Stornogebühren oder sogar der volle Reisepreis bezahlt werden. Klären Sie schon bei der Buchung die Kosten einer Stornierung ab und überlegen Sie aufgrund dessen, ob sich die Reiserücktrittsversicherung für Sie lohnt.

Muss ein Urlaub abgebrochen werden, erstattet die Reiseabbruchversicherung den Wert des entfallenen Resturlaubes (z.B. Hotelkosten) und entstehende Mehrkosten durch die unplanmässige Rückreise (z.B. Flugkosten).

Jeder Patient einer gesetzlichen Krankenversicherung hat automatisch eine EHIC. Diese ist kleingedruckt auf der Rückseite der normalen Versicherungskarte zu finden. Damit können Sie in den EU-Mitgliedsstaaten und zusätzlich in Island, Liechtenstein, Mazedonien, Norwegen und Serbien medizinische Leistungen bei Unfällen und akuten Erkrankungen in Anspruch nehmen und über Ihre Krankenkasse abrechnen lassen. Fragen Sie aber auch hier bei Ihrer Krankenkasse nach, ob ein Versicherungsschutz bei Verschlechterung Ihrer Erkrankung besteht. Der Versicherungsschutz gilt bei chronischen Erkrankungen leider nur eingeschränkt.

Während des Urlaubes

„Viel Sonne!“ wäre wahrscheinlich die häufigste Antwort, würde man Menschen nach ihrem wichtigsten Urlaubswunsch fragen. Für viele Rheumatiker sind die wärmenden Strahlen der Sonne nicht nur eine Wohltat fürs Gemüt, auch von einer Linderung der Krankheitssymptome wird häufig berichtet.

Allerdings können zahlreiche Medikamente zu einer UV-Überempfindlichkeit führen: Die Haut kann auf Sonneneinstrahlung empfindlich reagieren. Es kann zu Rötungen, Ausschlag und Juckreiz kommen. Wenn Sie sich richtig vor zu starker UV-Strahlung schützen, können Sie die wohltuende Wirkung der Sonne trotzdem geniessen.

So schützen Sie sich:

  • Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor benutzen
  • Mindestens 30 Minuten vor dem Sonnenbad auftragen
  • Alle Körperpartien grosszügig eincremen, inklusive Ohren, Fussrücken etc.
  • Mehrmals am Tag nachcremen, vor allem nach dem Baden oder Schwitzen
  • Keine langen Sonnenbäder nehmen
  • Direkte Sonneneinstrahlung zwischen 11 Uhr und 16 Uhr meiden
  • Schatten bevorzugen
  • Schützen Sie sich immer wenn möglich mit langer Kleidung und Kopfbedeckung.
  • Achten Sie darauf, genügend Wasser zu trinken.

Auch wenn bei einem Medikament keine speziellen Hinweise auf eine erhöhte Lichtempfindlichkeit bekannt sind, sollten Sie starke Sonnenexposition meiden.

Wenn Sie in eine andere Zeitzone fliegen, kann die biologische Uhr aus dem Gleichgewicht geraten (Jetlag). Ihr Körper stellt sich beispielsweise nach dem Flug in die USA schon auf die Nachtruhe ein, während es vor Ort noch mitten am Tag ist. Der Körper stellt die innere Uhr pro Tag um eine bis eineinhalb Stunden nach. Bei einer Zeitumstellung von 6 Stunden brauchen Sie also 4 – 6 Tage bis Sie sich wieder im Gleichgewicht mit der Ortszeit befinden. Durch einen Jetlag kann es zu Schlaf- und Konzentrationsstörungen kommen.

Während des Fluges:

Mahlzeiten wie am Zielort einnehmen. Nur Schlafen, wenn zu dieser Zeit am Zielort Nacht ist, ansonsten versuchen wach zu bleiben. Im Kampf gegen die Müdigkeit helfen helles Licht und Bewegung. So können Sie nach Ihrer Ankunft beispielsweise spazieren gehen, statt sich in dunklen Räumen aufzuhalten.

Besprechen Sie das konkrete Vorgehen mit Ihrem behandelnden Arzt − eine eventuelle Anpassung richtet sich immer nach dem individuellen Einzelfall.

Trotz sorgfältiger Vorbereitung und gewissenhafter Planung kann es auch im Urlaub zu Komplikationen oder sogar einem Schub kommen.

Klären Sie im Vorfeld ab, welche Möglichkeiten Ihnen vor Ort offenstehen:

  • Vereinbaren Sie mit Ihrem Arzt vor Reiseantritt, wie Sie im Fall einer Verschlechterung Ihrer entzündlich rheumatischen Erkrankung handeln können.
  • Verschaffen Sie sich einen Überblick über die medizinische Versorgung in Ihrer Nähe (deutschsprachige Ärzte, Rheuma-Spezialisten, Apotheken).
  • Führen Sie die Telefonnummer Ihres behandelnden Facharztes in der Schweiz mit sich, um im Notfall Entscheidungen in Abstimmung mit Ihrem Arzt treffen zu können.
  • Für den Notfall kann es sinnvoll sein, den letzten Arztbrief mit sich zu führen.

Tipp:

Passen Sie das Zubettgehen schon zwei bis drei Tage vor der Reise der Zeit am Urlaubsort an:

  • Flug nach Westen (z. B. USA): später schlafen gehen
  • Flug nach Osten (z. B. Asien): früher schlafen gehen

Bestimmte moderne Therapieformen bei der Behandlung von rheumatischen Erkrankungen bringen den Vorteil mit sich, dass sie in relativ langen Zeitabständen gegeben werden. Informieren Sie sich bei Ihrem Arzt über die Möglichkeiten.

Gute Reise!

Auf den ersten Blick verunsichert Sie die Menge an Informationen auf dieser Seite vielleicht. Mit der Planung einer konkreten Urlaubsreise werden Sie aber schnell feststellen, dass sich die tatsächlichen Einschränkungen in Grenzen halten. Lediglich in der Vorbereitung gibt es ein paar Dinge, die Sie beachten müssen und einiges, was Sie nicht vergessen sollten. Und um Ihnen genau das möglichst einfach zu machen, haben wir diese Punkte für Sie zusammengestellt. Bereiten Sie sich auf Ihre Reise mit der gleichen Begeisterung wie ein Bergsteiger auf seine Tour vor und geniessen Sie die schönste Zeit im Jahr – geniessen Sie Ihren Urlaub!

Weitere Informationen zum Thema Rheuma und Reisen finden Sie bei den jeweiligen Patientenorganisationen:

CH-NON-00029; 09/2019

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